Die Reise nach Val Verde Teil 3

Und schon war ich wieder in der Luft. Und wir hoben ab, zack in der Luft, und Captain sagt hallo, willkommen zu unserem Flug nach San Juan, Puerto Rico.

Und ich so WTF?

Ich will aber nicht nach San Juan, Puerto Rico, ich will nach Val Verde. Wobei eigentlich… will ich da gar nicht hin. Und San Juan ist doch bestimmt auch schön.

Aber leider, so erfuhr ich, nur ein kurzer Zwischenstopp. Quasi nochmal letztes Mut holen vor dem Aufbruch ins Feindesland; auch was American angeht, glaube es gab einen Crewwechsel. Ich selbst konnte mit der Handvoll Freaks, die auch nach Val Verde wollten und nicht in San Juan Urlaub, direkt am Gate warten und musste nicht nochmal durch die Security. Auch gab`s Free-Wifi. Abgefahren. Fast jeder versch**** First-World Flughafen will einen irgendwie mit Gebühren von ca. $10 abziehen, nur halt in San Juan, auf Puerto Rico, da kriegt man `ne 1a Wifi-Connection für umme.

Sachen gibt’s.

Da saß ich nun also, seit über 40 Stunden auf den Beinen, übernächtigt, viel zu warm angezogen (nämlich für den kalten amerikanische Norden und nicht San Juan), und konnte kurz innehalten und ein wenig die Umgebung mustern. Viele amerikanische Touristen. Nachvollziehbar. Weiterhin sprangen mir aber zwei Dinge sofort ins Auge. Zur ersten Sache muss man sagen, dass ich im tiefen Westdeutschland aufgewachsen bin. Grundschullehrer der manchmal leicht cholerische aber auch nicht unsympathische Herr L. (RIP), der uns viel singen ließ. Und da das Wort „Political Correctness“ damals noch keinen Einzug in den deutschen Sprachgebrauch gefeiert hatte – geschweige denn in meinem Nest im Herzen Westdeutschlands – sagte man noch so Wörter wie Neger ganz ohne schlimme Gedanken, und sang das Lied vom kleinen Chico. Und weil Ihr es seid, hier die vollen Lyrics.

In San Juan auf Puerto Rico
sitzt auf der Straße der kleine Chico
auf seinem Kasten con fuerte pico
und singt nur immer das gleiche Lied
O buenos Dias Senor ich putze gern ihre Schuh‘
egal ob schwarz oder braun in jeder Farbe
Oh buenos dias Senor das geht bei mir wie im nu
Tipp top sind sie anzuschaun und blank dazu.

Er putzt die Schuhe mitsamt den Sohlen,
drum wird er jedem auch gern empfohlen,
schlägt für ein Trinkgeld dir Kapriolen
und singt nur immer das eine Lied:

Kommst du aus Sydney vielleicht aus Boston,
bringst du den Staub mit vom fernen Osten,
es wird dich sicher dasselbe kosten [1]
und er singt immer das eine Lied.

Und hier ein Video mit der Musik. Alle vor 1990 Geborenen die nicht aus der Zone kommen, werden sich wahrscheinlich nostalgisch erinnern.

Naja, und dann saß ich da, in San Juan auf Puerto Rico, und gegenüber war zwar nicht der kleine Chico – der Mann sah schon etwas älter aus – und hatte auch keinen kleinen Kasten, sondern quasi so eine „Schuhputzstation“ mit Sessel, aber er putzte halt da jemandem die Schuhe.

Sachen gibt’s.

Wollte da erst hin, und ihn für eine Handvoll Dollar dazu bringen, dass Lied zu pfeifen, war dann aber doch zu sehr Pussy, um das zu bringen…

Genau, die andere Sache, die mir sofort in die Augen fiel?

Nun, die war ca. 170, schlank aber durchtrainiert, hatte blonde, schulterlange Haare, `ne Uniform, `ne Maglight, `ne fette Knarre und ein an ihrem Gürtel angebrachtes paar Handschellen, und zog sichtbar die Aufmerksamkeit ihrer männlicher Securitykollegen auf sich, die da mit ihr an meinem Terminal rumshakerten.

Dazu muss man sagen, zu diesem Zeitpunkt war ich etwa seit zwei Jahren in Japan ohne Ausgang und hatte seitdem keine westliche Frau mehr gesehen. Also keine attraktive, am Airport in den USA arbeiteten zahlreiche unglaublich dicke Damen, deren Hosen kleinen Zirkuszelten glichen[2]. Die Dame hier dagegen schien förmlich quer durchs gesamte Terminal „Ich bin gut im Bett“ zu schreien.

Und da fiel mir folgende Erkenntnis wie Schuppen von den Augen: Klar, nimmt der Gender Equality-Kram manchmal Überhand in vielen westlichen Ländern. Aber in Japan, wo Frauen im Prinzip sogar noch mehr belächelt werden und weniger Verantwortung erhalten können als Ausländer, gibt es Frauen, die einfach so selbstbewusst auftreten nicht. Ich meine ein japanischer Female-Cop darf vielleicht irgendwie Parktickets verteilen oder so. Wenn`s hochkommt. Und so `was führt dann halt zu so Auswüchsen, dass sich viele japanische Frauen Ihre Partner vor allen Dingen nach dessen Einkommen auswählen, weil sie keinen Bock mehr haben, zu arbeiten. Natürlich gibt es auch viele Andersdenkende, zum Beispiel die hzB, die mich immer mit der Zeitung schlägt, damit ich nicht handscheu werde, oder die Professorin mit dem höchsten Citation-Count unserer Fakultät, die vom Griechen mit kaltem Schauer als „osoroshii“ beschrieben wurde.

Aber die hatte ihre Karriere auch in den USA gemacht.

Will sagen: Letztendlich liegt eine gewisse Emanzipation der Frauen auch im Interesse der Männer.

Hm. Was für Sachen ich in diesem Blog schreibe… Hätte ich mir früher auch nicht ausgemalt.

Naja, länger konnte ich da auch nicht wirklich drüber nachdenken, denn Boarding begann, auf, zum biggest Shithole in Südamerika.

[1] ist natürlich völliger Quatsch, als weißer Ausländer/Tourist wirste natürlich erstmal voll abgezogen und zahlst das 10fache eines Einheimischen.

[2] bevor hier wieder USA-Klischees plattgetreten oder reinforcet werden, am Rückflug musste ich an einem recht südlich gelegenen Hub im Land der unbegrenzten Möglichkeiten halt machen, und da änderte sich das Blatt deutlich. Gleich in mehrfacher Hinsicht – in einem späteren Teil.

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3 Antworten to “Die Reise nach Val Verde Teil 3”

  1. coolio Says:

    Haha. Chico, Chico……..
    Hm, ich muss immer an meinen „Val Verde-Bodyguard“ Miguel Angel denken. Ja, der hieß wirklich so! Und er sah aus wie die abgefuckten Typen, die in den Italowestern immer den ganzen Tag in der Bar abhängen und sofort ne Keilerei anfangen, wenn einer aufmuckt. Auf dem ganzen Weg vom *abgefucktesten Flughafen* in die *abgefuckteste Stadt* hatte ich Angst, das er mich erst mit seiner abgesägten Pumgun erschießt und dann meinen Popo schändet und mich dann erst ausraubt. Als wir endlich in *abgefuckteste Stadt* angekommen waren, unterstrich er seinen Wunsch nach einem fetten Trinkgeld mit seiner Desert Eagle, die er lässig in der Hand balancierte, als es ums Bezahlen ging. Ein herrliches Land!

  2. Master-Chief Says:

    Also beim Schreiben dachte ich so: „Hätte ich doch bloss bewaffneten Wachschutz gehabt“, aber jetzt, wo Du´s so erzählst, bin ich mir nicht mehr so sicher… 🙂

    Gott, was bin ich im Nachhinein froh, daß ich „abgefuckteste Stadt“ umgehen konnte…

  3. coolio Says:

    Ach naja, die Erfahrung war es wert. Und man fühlt sich danach in Japan ABSOLUT sicher. Halt mich für bescheuert, aber das Land selbst ist wunderschön. Mann müsste einfach nur alle Asis rauswerfen, also 90% der Bevölkerung wahrscheinlich.

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