Die Reise nach Val Verde, Teil 2

Erst mal überhaupt hinkommen.

Das ist nämlich von Japan aus gar nicht so einfach. Val Verde ist jetzt touristisch nicht unbedingt so ein Traumziel, geschweige denn ein Traumziel für Japaner – die zieht es sowieso höchstens mal nach Guam oder Hawaii. Es gibt also keine Direktflüge oder ähnliches. Hieß: Umsteigen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Was ich irgendwie toll fand. War noch nie da. Es ergab sich auch nie eine Konferenz oder ähnliches, und ich wollte und will immer noch mal wieder hin. Faszinierend, da. Diesmal hatte ich nur jeweils 24 Stunden auf der Hin- und auf der Rückreise Aufenthalt. In Japan hat sich irgendeine schlaue Person ausgedacht, dass man bei Dienstreisen die über die Uni bzw. staatliche Wissenschaftsgrants und/oder andere schwarze Kassen, die der Prof grad aufgetan hat, laufen, eine länderabhängige Pauschale pro Tag ausbezahlt bekommt. Das ist meiner Meinung nach extrem sinnvoll, weil am Ende sowieso ungefähr das gleiche rauskommt, und es einem das lästige Hinterherlaufen nach Quittungen erspart. Und persönlich profitierte ich auch in zweierlei Hinsicht: Zum einen konnte man in Val Verde bei manchen Dingen viel einfacher Preisnachlässe bekommen, wenn man *hust* auf das Ausstellen einer Quittung verzichtete. Zum anderen sind Hotelpreise im Land der unbegrenzten Möglichkeiten leider recht hoch. Kurz sleepinginairports.net gecheckt, geht, und die Pauschale für den Tag eingesackt.

Und alle so yeah.

Der Flug in die USA verlief relativ unspektakulär. Leider American und nicht United, ich hätte doch so gerne Channel 9 gehört… auf dem Flug eine interessantes Gespräch mit einem Koreaner gehabt, der an der Waseda studierte und Bekannte in den USA besuchte, wir sprachen ein wenig über meine Zivildienstzeit und seinen Wehrdienst. Seine Geschichten ähnelten irgendwie stark dem, was man so von Freunden und BW-Zeit hört. Die kommen da wohl auch um vor Langeweile und Sinnlosigkeit. Das erste Mal überhaupt, dass ich mich mit einem Sitznachbarn im Flugzeug unterhalten habe, irgendwie sitzen sonst normalerweise nur Arschlöcher neben mir.

Einschub: Kleiner Rant

Ich halte die USA nach wie vor für ein extrem interessantes und auch bewundernswertes Land. Nichts geht mir daher mehr auf den Sack als ein dumpfer und hohler Antiamerikanismus, der seit Ende der 90er in Deutschland die linke Ecke verlassen und in den Jahren von Bush junior den deutschen Mainstream erreicht hat. So, dass man sich von $Egon aus $Badfickmichtot, der sein ganzes Leben $Badfickmichtot nicht verlassen hat und seine Informationen im Wesentlichen aus Spiegel-Online bezieht, erklären lassen muss, wie schlimm es dort doch sei, so ohne Krankenversicherung, mit den ganzen Waffen, die jeder Amerikaner unter seinem Kopfkissen hortet und das schlechte Essen (wir sind ja in Deutschland für unsere Spitzenküche und unser Bewusstsein für gutes Essen weltberühmt), und überhaupt, und so. Und leider auch manchmal noch subtiler, ich bekam mal von irgendjemandem erklärt, wichtige Steuerungssysteme z.B. bei Atomkraftwerken etc. seien in den USA so designt, dass im Falle eines Falls der Computer vollautomatisch die letzte Entscheidung träfe, während man in Deutschland/Europa dazu tendiere, diese Entscheidung einem Menschen zu überlassen [1]. Eine perfekte Gelegenheit, endlich mal Bodo Wartke zu verlinken.

Einschub: Ende

Einreise

Bei der Einreise war eine laaaaaaaange Schlange und ich stand ganz hinten. Überall waren Flatscreens aufgebaut, in der mich mit patriotischer Musik unterlegte, hübsch und höflich lächelnde Damen und kahlrasiert grimmig guckende Herren über meine Rechte als Einreisender, vor allen Dingen aber über meine Pflichten aufklärten. Leider war die Schlange so lang, dass ich die Subs nicht lesen und den Ton nicht verstehen konnte, bis ich etwa zur Mitte der Schlange vorgedrungen war. Und als ich dann verstand, was da gesagt wurde, war ich irritiert: In dem Video erklärten mir, dass mit Ausnahme von permanent-residents bzw. green-card holdern _jeder_ ein Formular I-94W vorlegen müsse. Und zwar korrekt und präzise ausgefüllt, mit allem Drum und dran und wehe! man käme zu dem Herrn da an der Theke ohne. Im Flugzeug wurde nur die Zollkarte rausgegeben – mh, irgendwas schiefgelaufen? Die Airlines achten da doch sonst so drauf… Also raus aus der Schlange, Karte genommen, und wieder hinten angestellt.

1,5h später.

Absolut freundlicher Grenzbeamter (konträr jeglichen Klischees wirklich nett): Haben Sie das ESTA elektronisch ausgefüllt – Ja – dann brauchen sie das hier nicht! – und zack, zerknüllt es.

Hatten die das Video halt noch nicht upgedatet. Kann ja passieren. Ist ja kein Problem.

ICH HAB JA ZEIT!

Cola mit High-Fructose Corn Sirup

Also dann am Airport auf der Bank gepennt rumgelungert, ungemütlich aber machbar. 24h Konbini hatte offen, die wichtigste Frage direkt geklärt: Nein, Cola mit High-Fructose Corn Sirup schmeckt keinen Deut anders als Cola in Deutschland. Oder Japan.

Einschub: Weiterer kleiner Rant[2]):

Westliche Länder sind so inconvenient. Beispiel Check-In. In Japan ist an jedem Flughafen für jede Fluglinie, auch für Economy, immer ein Check-In Schalter besetzt. Immer mit _extrem_ hübschen Damen (die natürlich kein Wort Englisch sprechen, aber das ist ja egal. Die arbeiten ja nur an einem Flughafen, und außerdem sind sie hübsch). Man _kann_ natürlich zu einem Automaten gehen, wenn man will. Aber wenn irgendwas ist, geht mal halt zu einer _lebenden_ Person. Die sich auch so verhält; im Gegensatz zum Beispiel zu Personen der Stadtverwaltung in GOM/Deutschland.

Bei American waren Check-in Schalter für Economy natürlich wegrationalisiert. Gab nur einen Self-Checkin/Self-Baggage-Drop. Jetzt ist so, dass sich irgendein Ingenieur hingesetzt und die üblichen Use-Cases durchgespielt hat. Fliegt man in ein Land und wird bei der Einreise abgelehnt, besteht am Ende immer ein großes Risiko, dass die Airline auf den Kosten sitzenbleibt, umgeschedulet werden muss, etc. Daher hatte der Ingenieur natürlich eine Sperre eingebaut, wenn man mit einem deutschen Pass auf einer amerikanischen Fluglinie in ein südamerikanisches Land wie Val Verde fliegt. Zwar kriegen Deutsche bei Einreise normalerweise problemlos ein Touristenvisa, und die Konferenzorganisatoren klären bei solchen Events vorher immer ab, ob man mit Touristenvisa legal zum Zwecke eine non-commercial scientific conference einreisen darf (geht fast immer, und interessiert halt auch normalerweise keinen bei der Einreise), aber es handelte sich halt um Val Verde, mit zweifelhafter Regierung und überhaupt und so. Deswegen stand dann da: Kontaktieren sie einen Check-In Agent. Und jetzt versuch mal um 6:00 morgens auf einem riesigen Flughafen mit zig Terminals und Abschnitten einen ver***** Check-in Agent von American zu finden, der einen Key hat, mit dem er den Check-In confirmen kann. Weil die sind ja alles wegrationalisiert, weil man die nicht braucht, weil es ja einen Automaten gibt, bei dem man selbst einchecken kann. Und Dein Flieger geht bald. Und Du bist nervös, denn wenn Du auch nur irgendwie Deinen Flieger verpasst, oder der sich verspätet, dann stehst Du spät nachmittags/früh abends in Val Verde am Flughafen ohne Anschlussflug. Ohne Sprachkenntnisse in Spanisch, ohne Hotel, und in dem Flughafen, aus dem laut State-Department „Drogenbanden heraus operieren“, in denen es „glaubhafte Berichte gibt, in denen uniformierte Kräfte am Flughafen in Bedrohungen, Erpressungen und Express-Kidnappings involviert waren“ und den man „außer per vereinbarter Abholung weder tagsüber noch nachts verlassen sollte, weil man sonst hohe Gefahr läuft, Oper einer Express-Entführung und/oder eines Überfalls zu werden“. Needless to say, taucht natürlich auch regelmäßig in den „World’s worst airports“ auf.

Grmpf.

Der Punkt ist, dass hätte _so_ auch in Deutschland passieren könnten. Denkt halt keiner mit, und „Ist nicht mein Problem!“. In Japan würde so `was einfach _nie_ passieren. NIE. NIE! Weil die Leute da mitdenken.

Einschub: Ende

Hat dann aber doch geklappt, ab in den Flieger und weiter ging’s.

[1] interessanterweise wird der gleiche Scheiss‘ manchmal von Amis als Argument für Boeing (Pilot hat Kontrolle) vs. Airbus (Computer hat Kontrolle) angeführt.

[2] Ist dieses Blog nicht eigentlich ein einziger ~?

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2 Antworten to “Die Reise nach Val Verde, Teil 2”

  1. coolio Says:

    Schade, nix aus „Val Verde“. Stattdessen aus dem Land der begrenzten Unfreiheit. Naja, ich hoffe es verschlägt dich auch mal in ein paar „Redneck“- oder „White trash“-Staaten der US und nicht nur in Tourigegenden. Alaska ist auch …………. toll. Glaub mir, dort wirst du viel schneller mit „Egon aus Badfickmichtot“ einer Meinung sein, als dir lieb ist……

  2. GOMler Says:

    Ich bin jetzt schon auf Teil 3 gespannt 🙂
    Und was ist mit dem schwulen Airport-Typen?

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