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Ausputzer

Oktober 9, 2012

im Moment befinde ich mich auf Arbeitssuche. Was könnte jemand mit meinen Qualifikationen wohl tun, so frage ich mich?

Nun, vor nicht allzu langer Zeit befand ich mich im Junkudo, um einige Bücher zu besorgen. Und immer wenn ich da bin, schaue ich auch nach ausländischen Magazinen. Den Spiegel von vor mehreren Wochen gibt’s da zum Beispiel zu einem unschlagbar günstigen Preis von 3000 Yen (so erinnere ich mich, man möge mich ggf. korrigieren). Insbesondere schaue ich auch immer nach Playboy Magazine und Vanity Fair.

Kleiner Einschub.

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Playboy Magazine und Vanity Fair sind die, glaube ich, am meisten missverstandenen Zeitschriften überhaupt. Sage ich Frauen, daß ich gern Playboy Magazine lese, halten die mich für ein Schwein. Sage ich Männern, daß ich gern Vanity Fair lese, halten die mich für eine schwule Pussy. [1]

Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. Beide haben einfach oft gut gemachte Reportagen und Interviews, die sehr genau mein Interesse zwischen Boulevard und Feuilleton treffen.

Dem geneigten Leser empfehle ich, mal kurz gegoogelt, zum Beispiel

– “Adventures in the Ransom Trade” von William Prochnau, auf dem auch der Film “Proof of Life” basiert. [2]

– Michael Lewis Portrait über Barack Obama

– “Betting on the Blind Side”, ein Artikel über einen Investor, der die Subprimekrise kommen sah, ebenfalls von Michael Lewis

– oder “Enemy of the Estate” von Charles Spencer

Kurz: gesellschaftlich durchaus relevante Themen interessant aufbereitet. Trotzdem denken die meisten Personen, insbesondere außerhalb der USA, bei Vanity Fair irgendwie an “Bild der Frau” und “Für Sie”.

Und beim Playboy schau ich natürlich auch gern die Fotos an, aber genauso ist der (amerikanische) auch durchaus interessant zu lesen. Ja echt jetzt. Ist ja hier das Internet. Kann ich ja offen sagen.

Googeln nach Playboy Magazine und Artikeln ist ein wenig challenging, wie man sich vorstellen kann, deswegen sei hier mal exemplarisch auf die Reportage “Irak als Tourist bereisen” verwiesen, oder die zahlreichen Interviews, z.B. mit Steve Jobs, Stephen Hawking usw.

—–snap—–

Jetzt stehe ich also da, in der obersten Etage im Junkudo und blättere im amerikanischen Playboy.

Und, da sind – und ich hoffe manch Leser, der sich nicht in so schlimmen Kreisen wie meiner einer bewegt, wird sich jetzt nicht erschrecken – halt auch Frauen ganz nackt drin abgebildet. Also wirklich so ganz ohne Kleidung. Und auch so gewisse Sachen kann man da sehen. Auch weil amerikanische Frauen diese Geschichte mit der Haarentfernung für sich entdeckt haben.

Und das geht natürlich GAR NICHT. Also auch gesetzlich. Das muss natürlich zensiert werden.

censored

Wie man sieht, gibt es also im Junkudo eine Person, dessen Aufgabe es ist, im Playboy Magazine an “gewissen Stellen” mit einem Messer die Farbe abzukratzen.

Geiler Job.

So viel übrigens zu der total offenen, abgefahrenen und übersexualisierten japanischen Gesellschaft, wo ja bekanntlicherweise an jeder Ecke used-Panty-Automaten stehen.

Davon abgesehen denke ich, ist das ein ziemlicher cooler Job. Werde ich mich mal bewerben. Und dann in 5 Jahren in Vorruhestand.

Wegen Carpet Tunnel Syndrom.

[1] Not that there’s anything wrong with that

[2] Langfristige Blogleser erkennen hier ein Muster