ÜBER DIE BEHÖRDLICHE ERLAUBNIS ZUM FÜHREN VON KRAFTFAHRZEUGEN AUF ÖFFENTLICHEN STRAßEN, WEGEN UND PLÄTZEN

Heute war die Erneuerung der Fahrerlaubnis dran. Das geht alle paar Jahre, und erst als ich dann die Benachrichtigungskarte im Briefkasten fand merkte ich, wie lange ich schon hier bin.

Das ganze ist mehr oder weniger Routine, eine große Showveranstaltung ohne jeden rechten Sinn, vielleicht mit der Chance den einen oder anderen wahnsinnigen Ojiisan auszufiltern, aber auch nur vielleicht.

Nun, in der EU soll ja jetzt vielleicht auch sowas eingeführt werden, und afaik werden jetzt schon neue Führerscheine in DE nicht mehr unbegrenzt ausgestellt. Man möge gegebenenfalls mich korrigieren.

Weil ja alle Japaner unter der Woche arbeiten, so wie ich auch… also meistens, wenn ich nicht gerade den ganzen Tag im Internet surfe statt zu arbeiten… habe ich also den Termin am Sonntag wahrgenommen.

Jetzt ist in K-Stadt wie in GOM, das Straßenverkehrsamt ist in der Pampa und eigentlich nur zu erreichen, wenn man ein Auto besitzt. Oh welch’ Ironie.

Vor zwei… oder waren es drei? Jahren hatte ich mir einen extrem ausgetüftelten Plan überlegt, hatte die Verbindung genommen bei der ich zehn Minuten mit dem Bus fahre, dreißig Minuten mit dem Zug, dann Umsteigen, fünf Minuten mit dem Zug, umsteigen, zwanzig Minuten mit der Bimmelbahn, zehn Minuten mit dem Bus, fünf Minuten laufen und ‘zack, schon war ich da, und liebte es, daß der Plan funktionierte.

Heutzutage nehme ich bei sowas ein Taxi.

Angekommen, zack zack ging es von Station zu Station, anstellen, Nummer ziehen, irgendwelche Formulare stempeln, unterschreiben, wollen sie freiwillig die Kampagne zur Unterstützung der Verkehrssicherheit unterstützen, die nette sinnlose Broschüren druckt und halbstaatlich ist, kostet nur 1000 Yen, NEIN DU PANSE LASS MICH WEITER, Augentest, diesmal ohne Brille bestanden juhu.

Im Warteraum zum Fotoshooting wird mir dann mal wieder eine Tatsache schlagartig bewusst, nämlich daß der weibliche Bevölkerungsanteil unter 35 Jahren in und um K-Stadt, mit der Ausnahme von Miyazaki natürlich, sonst kriege ich Haue, mit zu den schönsten in Japan gehört. Wenn man auf diesen leicht schlampigen Look steht, was ich tue.

Foto, grimmig gucken und bücken weil der Apparat natürlich viel zu niedrig eingestellt ist damit die Ischen überhaupt ‘ne Chance haben, daß ihr Kopf mit ‘drauf kommt, fertig.

Und jetzt sitze ich hier in der Geschlossenen, Cafeteria, ist ja Sonntag, mit dem Eee und muss vierzig Minuten warten in extremer Vorfreude auf die zweistündige Belehrung Unterrichtsstunde die da vor mir liegt.

Bin mal gespannt, ich bin noch Führerscheinerneuerungsprozederejungfrau und man hört ja viel von diesen Filmen die da immer in einer Tragödie enden, weil jemand Mist gebaut hat. Und so wie ich die Japanesen kenne wird’s extra tragisch mit viel Herzschmerz.

INTERMISSION

Was der Oji-san zu erzählen hatte war gar nicht so uninteressant. Der berichtete nämlich über die Verkehrsstatistik der Präfektur – 44 Tote im letzten, und 66 Tote im vorletzen Jahr, was mir hoch erschien – und die häufigsten Unfallursachen. Ganz ähnlich wie in DE, nur seitenverkehrt ist da die Abbiegegeschichte. Biegt man in DE an einer Kreuzung nach rechts ab, dann nimmt man schnell mal einen geradeaus weiterfahrenden Radfahrer im toten Winkel, oder einen den Fußgängerüberweg überquerenden Fußgänger mit.

Eine Sache die mir unangenehm auffiel war, daß in den Filmchen nur grob skizziert wurde wie man erste Hilfe leistet, daß das aber nicht praktisch demonstriert oder geübt wurde. Ich meine wenn man schon sowas veranstaltet, dann doch bitte nicht nur zur Show. Ebenfalls unangenehm fiel auf, das in einem nachgestellten Unfall der Verursacher anstatt das Unfallopfer abzuchecken erst ‘mal in mit aller Ruhe und Bedächtigkeit dieser Welt sein Handy rausholte, 119 anrief und berichtete der Verletzte sei “ungefähr 30 Jahre alt”, dabei locker stehend auf das röchelnde Unfallopfer herabschauend, anstatt mal wenigstens mit der freien Hand den Puls zu checken.

Ansonsten nervte der Oji-san ein bisschen, weil er mehrfach immer wieder deutlich betonte, daß das Gesagte sowie die Gesetze ja nun sowohl für Japaner ALS AUCH FÜR AUSLÄNDER gelte.

Bei genau einem Ausländer im Raume. Jaja, die Teutschen können halt kein Autofahren, im Gegensatz zu den Japanesen. Muss an der schlechten Ausbildung liegen.

NEVER TRUST A PUNK

Dieser Leitspruch hat überhaupt nichts mit dem Posting zu tun, war aber in großen dicken Lettern zusammen mit einer britischen Flagge auf dem Rücken des T-Shirts der jungen Dame gedruckt, die im Unterrichtsraum vor mir saß.

Was soll ich sagen, kann ich so prinzipiell nur gutheißen.

Ansonsten entnahm ich aus den Videos folgende Informationen. Man sollte keine Gepäckstücke, die wie ein riesiger Penis aussehen im Kofferraum spazieren fahren, da das Sprit kostet. Und wenn man kurz anhält, dann, auch wenn man nicht gekifft hat, halluziniert man und es erscheinen zweidimensionale grüne Figuren, die einen belehren den Motor doch bitte für die Dauer des Stops abzustellen.

Auch an Dramatik wurde ich nicht enttäuscht. Mit zitternder Stimme voller Tränen erzählte da eine Mutter wie Ihr Kind auf dem Schulweg von einem Truck erfasst und ca. 60 Meter mitgeschleift wurde, bis der Fahrer dann merkte, daß da irgendwas passiert war.

Außerdem sollte man in Japan kein Kei fahren, da es immer mal passieren kann, daß ein Besoffener auf schnurgerader Straße es schafft, seine Karre in den Gegenverkehr zu steuern, und man dann als Kei-Fahrer mit Family keine Chance hat. Vater und Kind über den Jordan. Nicht lustig. Trotzdem rechtfertigt sowas natürlich nicht den Kauf eines New Beetle.

Moral von der Geschichte: Wenn Du besoffen fährst, dann lass Dich nicht erwischen. Im Zweifelsfall einfach den 7er durchtreten und die Cops abhängen. In Nfs3 hat das auch immer meist geklappt, sogar wenn OJ die Krähenfüsse fies hinter der Kurve ausgelegte.

Ein roter Sportwagen [1] wurde gesichtet in der Haarnadel-Kurve.

ER FÄHRT ÜBER 180!

Erinnerung an mich: Wenn ich mal wieder in DE bin, muss ich unbedingt ‘ne fette Karre besorgen und damit ein Video machen wie man über die Bahn heizt für P. Der arme Kerl war noch nie in Deutschland, und konnte hier seinen 180 PS Turbolader ‘nie richtig ausfahren. Hab mal mit dem Ding ein paar Runden hier in der Pampa gedreht, 150 gingen so gerade, äh, ich meine natürlich 50. Aber dort wo das geht, einsame Straßen mitten im Hinterland, sind diese halt immer in einem Zustand, wo man das nicht wirklich so gerne macht, ich bin ja schließlich kein Rallypilot.

Jetzt hat er einen Prius gekauft. Wir werden alle älter.

Aber das kann man, im Gegensatz zu einem New Beetle, wenigstens als High-Tech Spielzeug gelten lassen.

Resultat des Tages:

  1. Ich habe einen neuen Lappen mit blauem Streifen – in Japan markiert ein farbiger Streifen, wie lange man schon fährt, und ob in letzter Zeit soweit unfallfrei. Level 1 is grün (Greenhorn).
  2. da ich den Augentest diesmal ohne Sehhilfe geschafft habe, steht auf dem Lappen… also eigentlich ist es eine scheckkartengroße Plastikkarte mit RFID-Chip … daß ich jetzt ohne Brille fahren darf. D.h. endlich kann ich mir jetzt eine dieser stylischen gläserlosen Brillen zulegen, um cool zu sein.
  3. Ein neues Wort gelernt: ペーパードライバー (Pehpahdoraibah von engl. paper-driver). Ich. etwa: Sonntagsfahrer.

PS: Ohne Gewähr: U-Turns darf man wohl seit April (auch?) dann machen, wenn unter der Ampel ein (geschalteter?) grüner Rechtspfeil ist.

[1] “El-Nino” hatten sie nicht synchronisiert, bzw. die Cops wussten den PKW halt nicht zu benennen.

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4 Antworten to “ÜBER DIE BEHÖRDLICHE ERLAUBNIS ZUM FÜHREN VON KRAFTFAHRZEUGEN AUF ÖFFENTLICHEN STRAßEN, WEGEN UND PLÄTZEN”

  1. Oliver Says:

    „Trotzdem rechtfertigt sowas natürlich nicht den Kauf eines New Beetle.“
    „Aber das kann man, im Gegensatz zu einem New Beetle, wenigstens als High-Tech Spielzeug gelten lassen.“

    Aber Coolio hat doch schon geschrieben das man ihm einfach ’ne Mail schreiben soll wenn man nicht mehr in seinem Blogroll stehen möchte … 😉

    Hat man denn auch gesagt wie man es richtig macht? Also ich meine speziell das Transportieren von penisähnlichen Gepäck. Besser auf den Beifahrersitz oder wegen der airodynamischen Form aufs Dach damit? Aber dann denkt bestimmt jeder wieder es handelt sich um ein Begleitfahrzeug für ein Volksfest.

    Mal ernsthaft: Der Gedanke mit einem „normalen großen“ Wagen (also für deutsche Verhältnisse) durch Japan zu fahren stelle ich mir bei den teilweisen engen Gassen sehr stressig vor.

    Und Glückwunsch zum Lappen am blauen Band. Hätte fast gedacht das wäre wie mit den Farben der Gürtel bei Karate.
    Da musst du ja auch vorher Prüfungen machen. Aber dann hättest Du ja ein paar Stufen/Farben übersprungen. Obwohl: Am Ende steht dann der Dan/Meister-Grad. Da werden bei dem Underground-Tuningshop deines Vertrauens ein paar echt fancy Decals freigeschaltet 🙂

  2. coolio Says:

    Pfft, alles nur Neid der Besitzlosen……

    Ich mag meine Knutschkugel, auch wenn ich keinen Riesenpenis in den Kofferraum kriege, weil da nämlich ein gigantischer 800 Watt-Subwoofer reinmusste. Zur Freude meines Hasibunny transportiere ich aber einen Riesenpenis in meiner Hose, also so ziemlich in ihrer Bückweite. Ist doch auch viel praktischer, oder?

    Der Spruch mit den Ausländern scheint wohl obligatorisch zu sein während der „Märchenstunde“. Freundlich wie ich nunmal bin, habe ich meinem Ojii-Erklärbär dann einen Vogel gezeigt. Kapiert hat er das aber nicht. Oder so…..

  3. Master Chief Says:

    Wagengröße: Ich würde sagen Polo geht, Golf so gerade, alles größer problematisch. Außer man ist so reich, daß man ‚drauf scheisst wenn man Nachbars Hauswand mit dem Wiesmann touchiert und ihm einfach ein Bündel Yen reicht.

    New Beetle: Coolio ist weder männlicher Japaner, noch eine Frau. Daher muss er in der Lage sein, mit meiner _absolut objektiven_ und _konstruktiven_ Kritik umzugehen. Ansonsten treffen wir uns, verprügeln uns alle, denn da freuen wir uns schon ’s ganze Jahr drauf. Macht man so bei uns Sau… Bloggern.

  4. coolio Says:

    Hm, eigentlich muesste man ja fuer weibliche und maennliche Japaner so eine Art Sammelbegriff erfinden, weil die Unterschiede immer geringer werden, J-Frann oder J-Mau, oder so.

    Tut mir leid, aber ich haue mich nicht mehr. Seit dem letzten Bloggertreffen habe ich immer noch so ein unkontrolliertes Augenbrauenzucken. Hmm, obwohl mich da ueberhaupt keiner hingehauen hat…….

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