Archive for März 2012

Gucken, Kacken, Packen, Picken

März 29, 2012

So lässt sich in etwa meine Reise zusammenfassen, aber mehr braucht man ja eh‘ nicht. Sie führte mich nach Südamerika, genauer, eine Tagung in … naja, sagen wir mal, in Val Verde. Noch Genaueres möchte ich nicht schreiben, denn dann wäre wohl jeder, der eins und eins … naja sagen wir mal binär … zusammenzählen könnte flugs in der Lage Realnamen und sogar Adresse herauszufinden.

Überhaupt muss ich ein bisschen aufpassen. Vor einiger Zeit ist eine Person, nennen wir sie mal Person C zu unserem Büro gestoßen, die hinreichend Deutsch spricht. Jetzt ist Person C ein Japan-Greenhorn, und jeder „Vet“ weiß, dass man da aufpassen muss. Als jemand, der selbst diese Phase erfahren musste durfte, behaupte ich, Greenhorns tendieren insbesondere dazu, dass Konzept von „Meiwaku wo kakeru“ nicht so ganz zu begreifen, die Hierarchien und Meue und Meshita unwissentlich zu ignorieren und insgesamt nicht so ganz zu checken, wo der Hase läuft.

Und würde ich versuchen, diese Dinge zu erklären, würde das bloß extrem oberlehrerhaft und zudem undankbar bitchend klingen. So suche ich, obwohl Person C eigentlich ein ganz cooler Typ zu sein scheint und ich gern mal wieder ein paar Wörtchen Deutsch reden würde, Distanz.

Und werde von jetzt versuchen Orte, Aufenthalte und Zeitpunkte noch mehr im Unklaren zu lassen.

Life’s a bitch.

Flugs war das Stichwort. Der Ort war am Arsch der Welt, allerdings leider nicht in der Pampa. Was hätte ich darum gegeben, wahrheitsgemäß ein Posting posten zu können mit der Aussage ich sei in der Pampa.

Am Arsch der Welt hieß, dass ein Weg drei Fluggesellschaften, fünf Flüge mit Zeiträumen zwischen einer und fünfzehn Stunden sowie zwei Busfahrten von ca. einer Stunde bei einer Gesamtdauer von über 50 Stunden bedeutete. Economy natürlich. Über 50 Stunden ohne Schlaf, allerdings inklusive Verweilen von einer halben Nacht auf einem Flughafen.

Reisebericht über Val Verde kommt, war ganz nett, nur leider ausgerechnet am allerletzten Tag vor der Rückreise wurde mir Cortez‘ Eroberung von Tenochtitlan zum Verhängnis, und Montezuma rächte sich fürchterlich.

Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ein unbändiger Drang herrschte der befahl, dass gleichzeitig Flüssigkeiten aus drei Körperöffnungen simultan meinen Körper verlassen sollten. Durch schier unbändigen Willen schaffte ich es jedoch, die Kotzerei jeweils auf dazwischen zu timen.

Was für eine Schweinerei.

Wieso schaffen es eigentlich Menschen südlich gewisser Breitengrade nicht, trotz hinreichendem Vorhandensein von sauberem Wasser, Nahrungsmittel hygienisch zuzubereiten? Ich erinnere hier an Bernd S. aus B., den ich vor gut zehn Jahren auf einem Lehrgang zur B-Lizenz zum Funkamateur kennenlernte, und der da sagte, nachdem einige Kinder Kopfläuse in den Kindergarten brachten, in den er auch seine Bälger schickte: „Seife ist billig. Das ist keine Sache von Armut.“ [1].

Nun gestaltete sich die Rückreise als Herausforderung. Fiebernd gekrümmt stand ich morgens um drei Uhr auf, um den Bus zum Flughafen mitzubekommen. Dann kamen die Flüge. Da ich den Ausgang des Kampfes Montezumas Fluch vs. meine Schließmuskeln als unklar, oder sagen wir mal besser als offen einschätzte, vermied ich diesen und verordnete mir eine Nulldiät mit Wasser [2].

Und zack, kaum zwei Tage später ohne Schlaf und Nahrung war ich auch schon wieder da, in good old K-Stadt, und am folgenden Tag bekam ich fröhlich meine Portion Fosfomycin [3] für die Woche. Das killte allerdings nicht nur die Bakterien des Montezuma sondern so ziemlich alle zwischen Kinn und Zehenspitzen, und so wurde in der Woche das Klo zu meiner zweiten Heimat. Währenddessen ernährte ich mich größtenteils von isotonischen Sportgetränken [2].

Was soll’s. Ich bin wieder hier, in meinem Revier.

Um die fehlenden Kilos wieder reinzuholen, werde ich wohl ab diesem Wochenende zwingend öfter mal MOS besuchen müssen. Oder McDonalds. Oder Costco’s. Oder Gusto. Oder Joyful. Oder Kaiten. Oder Izakaya im nächsten Ort mit den Oba-chans. Oder Misudo. Oder Baskin Robbins. Oder oder…

Das Leben ist halt manchmal hart in Japan.

Fazit: Val Verde, nein Südamerika, hat bei mir ganz klar verschissen.

[1] der heute vorherrschenden Meinung nach, haben Kopfläuse allerdings wohl wenig mit den hygienischen Verhältnissen zu tun. Ganz im Gegensatz übrigens zu dem Vorhandensein von E-Coli Bakterien in Nahrungsmitteln.
[2] „Denkt an die Elektrolyte!“ (Karl Schmidt)
[3] japanische Ärzte verschreiben scheinbar immer irgendwelche abgefahrenen Antibiotika, von denen ich noch nie zuvor etwas gehört habe. Bei einer heftigen winterlichen Mittelohrentzündung verschrieb man Cefditoren, obwohl laut Netz scheinbar alle Richtlinien Amoxicillin nennen und Cephalosporine eher Mandelentzündungen zuordnen. Und Reisedurchfall liest man überall Chinolone, also Ciprofloxacin. Ich vermute, die Dorfdoktoren hier haben schlicht nicht so ganz die Peilung. Welcher Japaner fährt auch schon ins Ausland.

Geschafft

März 5, 2012

bin ich, und auch eine wichtige Prüfung.

Es scheint, mein gesamtes Talent beschränkt sich darauf, in der Lage zu sein „sich irgendwie durchzumogeln“. Das war auch auch diesmal wieder erfolgreich, und gleichzeitig das Beste was ich konnte.

Es wäre schön, mal echtes Talent in irgendeiner Disziplin zu besitzen und Dinge mit einem Gefühl der Zufriedenheit abzuschließen, aber, wie ein ehemaliger Lehrer immer zu sagen pflegte: Das Leben ist kein Ponyhof. Und so sieht dann auch meine momentane Lebenssituation aus, chaotisch. Wird Zeit für ein paar grundlegende Entscheidungen.

Hier ist jetzt erst mal Pause bis Mitte März, wenn ich von einer längeren Reise zurückkehren werde.