Archive for November 2010

Amazing Larry is truly amazing.

November 17, 2010

Japanische Mobilfunkprovider und japanische Hersteller von Mobilfunktelefonen sind sehr innovativ, nur ist die Richtung der Innovation oft wenig nützlich für Technikbegeisterte wie mich. Zum Beispiel sind mittlerweile sehr viele Mobiltelefone von Docomo wasserdicht bis ein Meter Tiefe, damit Frau auch in der Badewanne noch texten kann.

Ich dusche meistens. Ohne Telefon.

Aber vielleicht übertreibe ich etwas, nach drei Jahren iPhone startet Docomo immerhin eine Android-Smartphone-Offensive diesen Winter, weil mittlerweile wohl zu viele wegen ersterem zu Softbank gelaufen sind. Darunter auch so illustre Modelle wie das „Optimus Chat“, was sich, wenn man nicht aufpaßt, in einen Truck transformiert.

Nach wie vor läßt sich Docomo allerdings jedes Datenpaket vergolden. Der (einzige, wie übersichtlich! Ein weiterer Beweis für den tollen Service in Japan!) Datentarif ist wie folgt: Von 0 bis etwa 70000 Paketen bezahlt man eine Gebühr/Paket, die Gesamtsumme ist dann ab 70000 Paketen gedeckelt bei 6000 Yen. Also rundum 60€. Jetzt will natürlich jeder gerne wissen, was ein Paket ist, aber dafür muss man ganz schön suchen. Irgendwo auf einer Unterseite nach jeder Menge Text hab ich dann gefunden: 1 Paket = 128 Byte. Man erreicht das Maximum also bei ca. 8 Megabyte Datentraffic. Also einmal Google Maps benutzen, zwei e-Mails mit Anhang = 6000 Yen / Monat. Plus Grundgebühr, plus Gesprächskosten, plus plus plus.

Zufälligerweise haben _alle_ Provider in Japan _exakt_ das gleiche Preismodell, bis auf den Yen genau. (Mit Ausnahme von Willcom, aber die haben PHS und sind pleite).

Ein weiterer Beweis für die gut funktionierende Marktwirtschaft in Japan!

Worauf ich hinaus will: Durch glücklichen Zufall konnte ich ein HT03a (HTC Magic) bekommen, für ungefähr 12000 Yen, no frills. Hat sich hier nicht so gut verkauft, denn, O-gott, ES KANN JA KEIN I-MODE UND KEINE EMOJI WAAAAAAAAAH. Und es sieht auch gar nicht süß aus!

12000 Yen extrem preiswert, z.B. kostet ein Galaxy S oder ein Xperia für Bestandskunden trotz Vertragsverlängerung etwa 30000 Yen. Wenn man einen preiswertern Shop findet. Bei mir in der Pampa wollten sie für das Xperia 47000 Yen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Preis sim-lock frei ohne Vertrag bei ca. 400€.

Natürlich ist Docomo ein *****verein, und deswegen ist Cupcake die letzte Version für das Magic und sie werden wohl niemals froyo pushen (wie war das noch? In Japan wird Service großgeschrieben, nicht wahr? Ja, wenn man dafür bezahlt, ansonsten fuck you, wir haben Dein Geld. Wie im Rest der Welt)[1].

Glücklicherweise hat T-Mobile USA für das HTC Magic ein Update auf 2.2.1 gepusht. Und als ich das las, bin ich hier durch die halbe Stadt gerannt um einen Docomo-Shop zu finden, der das Magic noch als Restposten hatte. Offiziell war der Verkauf seit mehreren Monaten eingestellt. Da war es einmal gar nicht so schlecht, in der Pampa zu wohnen. Wer kauft hier schon ein Smartphone?

Also bin ich los und kaufte ein Smartphone in der vollen Absicht es zu rooten und dann amazinglarry311’s[2] gehacktes Image des T-Mobile US 2.2.1 OTA-Updates zu flashen.

– damit man eigene Images einspielen kann, braucht man einen gepatchten Bootloader (ein „Recovery“). Um das Recovery einzuspielen braucht man Root-Zugriff auf das Gerät.

– Root bekommt man durch die Applikation Universal Androot. Nicht im Appstore zu finden

– Nachdem man root wurde, im Appstore ClockworkModRecovery ‚runterladen um den Bootloader (das „Recovery“) zu flashen. Bei mir ging das bei ClockworModRecovery mitgelieferte Recovery nicht, ich musste das „Alternative Recovery“ installieren. Beim Typ des Devices habe ich ION gewählt.

– Mobiltelefon aus, dann… ich glaube es war der Home-Button beim Starten? drücken und booten und man kommt ins Recovery Menü. Es empfiehlt sich jetzt in das Untermenü Backup zu gehen und dort mit dem Tool Nandroid ein 1:1 Backup des Roms auf die SD-Karte zu machen. Falls was schief läuft. Danach zurück ins Recovery-Menü, alles wipen, und das amazinglarry311 – Image des amazing Larry311 flashen.

– Per default hat man chinesische Schriften für japanische Zeichen. Das läßt sich beheben indem man das Android SDK installiert (hatte ich sowieso, war ja der Hauptgrund für Kauf des Geräts), in den Recovery-Modus bootet, und mit dem Kommandozeilentool adb die japanische Android-Font in den /system/font Ordner schiebt.

Obiges auch alles sehr gut dokumentiert auf xda-developers und softbanksucks.

et voila – Froyo und damit wahrscheinlich aktueller als fast alle anderen Android-Nutzer in Japan momentan. Image läuft extrem stabil.

Docomo vs. Master-Chief: 0:1

Was sehr sehr praktisch ist: Aufgrund des Traffics den das Gerät einfach so erzeugt (e-mail, Sync, etc. etc.) ist es praktisch eine Firewall zu installieren, mit der man applikationsbasiert festlegen kann welche Applikation wann (3G/Wifi) ins Netz darf. Geht mit Droidwall, was sich aber wiederum nur installieren läßt, wenn man root ist.

Rooten läßt sich noch rückgängig machen, spätestens beim Flashen des Bootloaders ist die Garantie dann aber wohl sicher weg.

Ist überhaupt schon ein Erlebnis, wenn man flasht, das Ding das erste Mal bootet und bootet (braucht etwas beim ersten Mal) und man zittert etwas, ob man jetzt innerhalb weniger Minuten 12000 Yen das Klo runtergespült hat oder nicht.

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

Erwartet also in Zukunft schärfere Fotos aus Japan (nicht was Ihr denkt – das erste Mal, daß ich eine Handycam mit Autofokus habe!). Und endlich – Geocaching!!! Gut, im Umkreis von 300km gibt es vielleicht ’ne Handvoll Caches… aber was solls… und ScummVM! Gobliiins. Monkey Island. In your face bitch!

EPWing funktioniert natürlich auch exzellent, neben Droidwing gibt es mittlerweile auch EBPocket und mit letzterem funktioniert auch die (eigentlich defekte) EPWING Version von wadoku.de zusammen mit den in den anderen Artikeln beschriebenen Wadokus, Dokuwas, Waeis, Eiwas Kokugoujitens usw. usw. usw.

Ankidroid läuft auch und die Alpha aus dem Entwicklerzweig synct online… Ich sollte mal ein dediziertes „Japanisch auf Android“-Posting machen.

Oder besser, vielleicht sollte ich, anstatt Unmengen Zeit zu verbringen, die Lernumgebung zu perfektionieren besser mal anfangen zu lernen. JLPT ist ja schon wieder in ein paar Wochen…

[1] Ich bin mal gespannt, wie es hier weitergeht. Ich wette, die Hälfte der Modelle, die im Moment in Japan in den Verkauf kommen, werden 2.3 auf offiziellem Wege niemals sehen…

[2] das Original-„Our Man in Japan“ nur echt mit Deppenapostroph[TM]

Advertisements