Archive for April 2010

Klimaanlage

April 30, 2010

Vor kurzem wurden (endlich) Klimaanlagen in den Wohnungen hier installiert.

Ich denke, vorher waren wohl deswegen keine installiert, damit man länger im Büro bleibt. Ernsthaft, so hörte ich um ein paar Ecken, wohl eher deswegen, weil vorher viele Studenten irgendwelche Zusatzheizgeräte im Winter nutzten, elektrisch, mit Kerosin, Halogenleuchter… eben den perfekten Suizidinstrumenten, und es tatsächlich im Winter vier- oder fünfmal Feueralarm gab, weil irgendwelche Pansen es geschafft hatten, damit fast ihr Zimmer abzufackeln… naja, heizen mit Klimaanlage ist ja sowieso so ein Thema für sich, aber Atomstrom ist ja billig und hey, in den nächsten Monaten, gar nicht so weit von hier, brütet es wieder schnell…

Service war ja schon Thema des letzten Posting, und Service in Japan ist einfach toll. Fast immer umsonst, d.h. im Kaufpreis mitinbegriffen, wurden auch hier die Anlagen von professionellen Monteueren in professionell schneller Geschwindigkeit professionell installiert. Da kann sich jeder deutsche Handwerker wirklich mal eine Scheibe von abschneiden. Hier die Fotos, auf Kommentare habe ich verzichtet, da die Fotos ja quasi für sich selbst sprechen.

Eine Runde Mitleid für die DB

April 26, 2010

Zunächst möchte ich ein paar Dinge vorausschicken: Unten stehender Eintrag wurde von mir im letzten Winter während einer elend langen Zugfahrt verfasst, ist also nicht gerade aktuell. Ich hatte mich damals ob der Unlustigkeit entschieden, sowas nicht zu posten. Da mir nichts Besseres einfällt momentan, hier also die B-Ware. Zum Thema:

Insbesondere bei vielen Touristen, die Japan für eine kurze Zeit besuchen entstehen sehr schnell oberflächliche Eindrücke, die nicht ganz der Realität entsprechen, für diese Touristen aber zementierte Wahrheiten werden.

Weiterhin, und so ist mein persönlicher Eindruck, ist bei länger in Japan verweilenden Personen, die oft viele Anstrengungen, Mühen und Nachteile in Kauf genommen haben um hier zu verweilen, manchmal die Tendenz zu erkennen, sich wirklich alle und jede Sachen in Japan schön- und alle und jede Sache in Deutschland schlecht zureden, eine sehr menschliche Eigenschaft…

Das geht mir manchmal aber auf die Eier. Insbesondere, wenn Japan in den Himmel gelobt wird. Von Leuten die keine Ahnung haben.

Also im Prinzip jeder, mit Ausnahme meiner direkten Vorgesetzten und der hzB.

Auf der anderen Seite war ich jetzt auch schon fast zwei Jahre nicht mehr in Deutschland. Es kann sein, daß ich, beim nächsten Besuch, ob des ersten unhöflichen Wortes eines Mitarbeiters des Service Teams in die Luft gehen und diesen Blogeintrag verteufeln werde.

Nun denn, auf zu dem etwas langatmigen Eintrag:


Die Züge in Japan sind pünktlich, sauber und die Mitarbeiter von Japan Railway sind stets zuvorkommend und höflich.

Das ist das Klischee – und es stimmt auch weitestgehend.

Was mich jedoch ab und zu irritiert, sind Kommentare von Japanreisenden, die das zum ersten Mal erleben und nur die Vorteile des japanischen Bahnsystems sehen, meist noch mit einem frischen Eindruck von irgendeiner chaotischen Situation aus Deutschland.

There is no such thing as free lunch. Typische Binsenweisheit (1), mit gewissem Wahrheitswert. Die Ursachen und Gründe, warum in Japan Bahnfahren angenehm ist, sind vielfälig:

Sauberkeit der Züge. Natürlich sind die Züge in und um Tokyo modern und gepflegt, aber das sind z.B. die Nahverkehrszüge in vielen (reicheren) deutschen Städten auch. Aber auch in kleineren Städten, wo weniger investiert wird, sind die Zugwaggons vielleicht ein bisschen älter und sehen so aus, als hätte der Zahn der Zeit daran genagt – sind dabei aber gepflegt. Der Grund ist einfach, daß in Japan Vandalismus nicht existiert. Es gibt keine Graffiti, es gibt keine Möchtegernkünstler die statt Graffitis nur die Züge mit ihren „Tags“ vollschmieren, es gibt keine „Scratcher“ und keine Sitzaufschlitzer. Damit einher geht natürlich eine sehr konfliktscheue Gesellschaft oder sagen wir eher, eine Gesellschaft in der Konflikte nicht offen ausgetragen werden. Obwohl so generalisierende Aussagen immer sehr problematisch sind, kann man schon mit Fug und Recht behaupten, daß Autoritäten tendenziell eher akzeptiert und respektiert werden, ohne sie zu hinterfragen. Mit all den sich dadurch ergebenen Vor- und Nachteilen.

Pünktlichkeit der Züge. Zum einen ist es nicht so, daß japanische Züge immer pünktlich sind – besonders nach dem berühmt-berüchtigten Unfall 200X. Und auch plötzlicher Wintereinbrucht stellt die Infrastruktur hier vor Probleme. Wir hatten hier neulich ein bisschen Schnee, siehe Foto – und die Freundin der hzB, die zufällig in meine Heimat, nach K-Stadt aufbrach, brauchte 7 Stunden hierhin – 4 Stunden dauert die Verbindung normalerweise. Das ist ein Extremfall – aber auch ich hatte schon 45 Minuten Verspätung zur Silverweek, das Posting schreibe ich momentan im Zug und der hat, aufgrund des Wintereinbruchs und diverser Kleinigkeiten auch wieder 15 Minuten Verspätung.

Ein bisschen Schnee

Im Vergleich zu den Problemen in Deutschland ist das natürlich immer noch sehr akzeptabel. Es kommen aber noch ein paar Unterschiede hinzu:

Das japanische Schienennetz weist lange nicht einen so hohen Vernetzungsgrad wie das deutsche auf. Natürlich ist hier nicht Frankreich, wo es im Prinzip nur Paris gibt, und dann der Rest sternförmig abgeht. Aber, als ich z.B. obig genannte Verspätung von 45 Minuten hatte, hat man den Anschlusszug einfach 45 Minuten warten lassen. In Deutschland ist das unmöglich – würde man so verfahren, würde sich die Verspätung quasi sternförmig im Netz ausbreiten. Das liegt, so würde ich sagen an Deutschlands föderaler Struktur und Städtelandschaft. Hinzu kommt, daß das Schnellzugnetz in Japan auf getrennten Gleisen läuft. Afaik unterscheidet sich sogar die Spurbreite. Seperate Trassen in Deutschland bauen? Hm. Ich denke, dass wäre Anfang der 90er nicht ohne große Verzögerungen und Proteste abgelaufen, durch Bürgerintiativen, durch Debatten über Naturschutz (ein befreundeter Engländer meinte mal zu mir, daß man in Japan alles zubetoniere, sei ja auch eine Art Naturschutz, im Sinne daß das was man mag, für die Ewigkeit konserviert werde…)

Japan ist keine Transitland. Ich habe keine Zahlen, aber Deutschland liegt in der Mitte Europas und der Warenverkehr durch und in Deutschland über die Schiene ist enorm – und zum großen Teil ist das ja gewollt. Während in Japan nachts Wartungsarbeiten und Reparaturen an der Infrastruktur vorgenommen werden können, jagt man in Deutschland Güterzug um Güterzug durchs Netz. In Deutschland steht der Güterverkehr in einem echten Konkurrenzverhältnis zum Personenverkehr.

Der Ausbau des Schienennetzes: Auch wenn in Deutschland nach und nach Verbindungen gestrichen werden, ist es schon so, daß man (fast) jedes Kaff (noch) in Deutschland per Zug erreichen kann. Das ist in Japan nicht so, sicherlich u.a. auch aufgrund der geographischen Situation. Ich nehme als Beispiel immer gerne die Heimatstadt der hzB – über eine Millionen Einwohner, aber praktisch ohne Fernverkehrsanbindung (d.h. kein Shinkansen, noch nichtmal ein echter Schnellzug). Will man dahin, dann führt im Prinzip kein Weg vorbei am Flugzeug. Falls man nicht Lust auf eine mehrtägige Schiffsreise hat. Und nein, sie kommt nicht aus Okinawa.

Der Service, den man genießt wird am Ende bezahlt: Bezahlt, da mehr Servicemitarbeiter beschäftigt werden. Bezahlt, da größere Reserven vorbehalten werden. Etc. etc.
Als Student hatte ich in Deutschland ein Semesterticket, das kostete ca. 90 Euro / Semester*. Damit konnte man sämtliche lokalen Nahverkehrsverbindungen umsonst benutzen (Bus, S-Bahn), sowie einige ausgewählte längere Regionalverbindungen. Mittlerweile kann man in ganz NRW damit fahren.

Die hzB hat im Moment auch ein Studententicket. Damit kann sie genau von Station A in Tokyo (nahe ihrer Wohnung) zu Station B (nahe der Uni) fahren – auf allen anderen Strecken zahlt sie den Normalpreis. Das Ticket kostet sie etwa 125 Euro – pro Monat**.

Wenn ich nach Tokyo fahre, kostet das etwa 230 Euro hin- und zurück. Übrigens ohne Shinkansen, den gibt es hier leider noch nicht. Sie bauen ihn seit Ewigkeiten, aber _nächstes_ Jahr, ganz sicher, wird er fertig werden. Ich schätze, kurz nach Release von Hurd. Vergleichbar ist das etwa mit der Strecke Köln – Stuttgart. Nunja, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, aber irgendein Kriterium muss her, und sowohl Luftlinie als auch gefahrene Strecke sind in in etwa gleich. Als ich gerade auf der DB-Homepage nachschaute, kosteten Hin- und Rückfahrt mit dem ICE 170 Euro, ohne jeglichen Rabatt. Man bedenke, daß es in Deutschland ohne Weiteres mit Bahncard o.ä., möglich ist, den Preis um 40% oder mehr zu senken.
Die 230 Euro zahle ich dagegen immer – hier gibt es keine Bahncard, es gibt keinen Frühbucherrabatt, es gibt kein gar nichts. Das Preissystem hier ist sehr einfach – man zahlt immer den vollen Preis.

Kurz: Der Service wird hier bezahlt, er spiegelt sich in dem Preis von Dienstleistungen wieder. In Deutschland ist die Bereitschaft, für Service zu bezahlen, sehr gering. Wenn in Deutschland die Bahn die Preise erhöht, geht ein Aufschrei durchs Land – zurecht und nachvollziehbar, denn dann ändert sich zunächst einmal der Fahrpreis und sonst nichts. Trotzdem glaube ich nicht, daß die Bereitschaft für Service zu bezahlen wirklich da ist. Aldi und Co sind groß und wenn ich die Strecke zwölf mal im Jahr fahre dann rechnet man schon mal nach – mit einer Art Bahncard würde ich, verglichen, sehr viel Geld sparen. Auch die Akzeptanz… ich kann mich erinnern mal in DE zu Feiertagszeiten einen Regionalexpress erwischt zu haben, der leicht verspätet und in etwa so voll war, wie die Yamanotelinie in Tokyo… aber nicht zur Rush-Hour, so voll war es dann doch nicht. 🙂 Die Reisenden hätten die Schaffner fast gelyncht – in Japan ist das normal. Ein 1.Klasse-Ticket, wo ein Sitzplatz in DE fast immer garantiert ist, hat dann aber doch irgendwie niemand gekauft, und auch im Zug nicht upgegradet.

Damit das nicht falsch verstanden wird – ich wünsche mir hier nicht Zustände wie in Deutschland herbei, ich bin soweit froh, das das System hier so funktoniert, wie es funktioniert und ich genieße den Service. Aber man kann nicht so einfach vergleichen, ohne alle Aspekte zu berücksichtigen. Das japanische Modell ist nicht 1:1 übertragbar und man kann sich nicht die Rosinen herauspicken und dann über DB schimpfen. Verbesserungen hat das Bahnfahren in Deutschland bitter nötig, aber wie weit man sich dabei aber an Japan orientieren kann ist fraglich.

* jaja, die faulen, reichen Studenten die um 12 Uhr aufstehen, dem Staat auf der Tasche liegen, und den ganzen Tag nichts tun außer Haschisch zu spritzen und Stromgitarre zu spielen
** ich benutze hier einen angepassten Umrechnungskurs, der sich am McDonalds-Index orientiert, um Einkommensverhältnisse und „gefühlte“ Preise wiederzugeben. „Gefühlt“ sind 1 Euro in Japan 100 Yen(= der Preis eines Hamburgers beim lustigen Clown), nicht 130 Yen.

(1) ich empfehle zum Thema Binsenweisheiten die Excel-Folge mit Christian Spanik und Hannes Rügheimer, in der ebendieses durch Erstgenannten trefflich analysiert wird.

PS: Nach der Hakelei jetzt doch wieder mit WordPress. Alte Kommentare sind wieder da, von den letzten drei, vier Postings jedoch verloren.

Telefonmann

April 9, 2010

Könnte es sein, daß …. Herzlichen Glückwunsch Japan, willkommen in neuen Jahrtausend!

ich tatsächlich eine größere Auswahl als genau _vier_ Smartphones bekommen könnte? Wirklich?

Ja genau _vier_ momentan. Ich will eigentlich schon, seit ich in Japan bin ein Smartphone kaufen. Aber bisher haben mich sowohl Preise als auch Auswahl abgeschreckt.

Vier, daß ist kein Scherz, man schaue hier nach: Das ist die „Pro“-Serie bei Docomo.

In Deutschland wäre das die „Haben wir letztes Jahr vorgestellt, den alten Kram will aber mittlerweile keiner mehr haben“-Serie. Ich meine… die drei japanischen Modelle zählen nicht, denn die laufen mit irgendeinem dämlichen proprietären OS, so daß (ernsthaftes) eigenes Entwickeln von Applikationen nicht möglich ist. Ich meine, der Browser da drauf ist von Netfront, muss man dazu noch mehr sagen? Nun, vielleicht nicht mehr, als das z.B. ein Limit von 500KB/Webseite da ist und die Darstellung quasi jedes Newsportals scheitert. Internationalisierung, also Darstellung von Seiten mit europäischen Sonderzeichen oder Unicode… das ist ungefähr so „smart“, wie … naja, halt nicht. Achja, OperaMini installieren geht nicht. Wieso nicht? Propriertär. Woll’n ‚wa nich‘.

Was Android angeht, hat man die Wahl zwischen dem ein Jahr alten HTC Magic und… naja, oder man nimmt es halt nicht. Übrigens japanweit – Docomo hat das einzige Android-Smartphone. Was Android angeht, hat sich ja in letzter Zeit weltweit auch wirklich nichts getan… Und … das Blackberry Bold. Tatsächlich. Es gibt tatsächlich in ganz Japan genau _ein_ Blackberry, das mehr als 1,5 Jahre alte Bold.

Und zwei Geräte mit Windows Mobile. Ich weiß nicht, warum Windows Mobile in Japan so beliebt ist (Willcom hatte ne ganze Serie davon… naja gut, die sind auch pleite) – sind Japaner masochistisch veranlagt?

Ist es also so, daß doch noch Hoffnung besteht? Das man einfach das Telefon, was man gerne möchte privat kauft, sich dazu einen passenden Vertrag und Provider sucht? Könnte es sogar sein, daß Nokia wider zurückkommt? N900? Google Nexus im freien Verkauf? Simlock-free Iphone aus Italien? (interessant auch, daß die Newsmeldung Europa und den dortigen Verkauf von legal ungelockten Iphones gekonnt ignoriert).

Nein, ich kann mir schon denken, _wie_ das umgesetzt wird. Nämlich so, daß Hersteller Ihre Telefone „zufällig“ nicht im freien Handel anbieten oder wenn, nur zu Preisen die jenseits von gut und böse liegen. Daß das Kaufen „nur“ einer SIM-Karte + Vertrag preislich nicht attraktiv ist. Daß bestimmte Vergünstigungen nicht möglich sind, wenn man ein „fremdes“ Telefon nutzt. Daß Mail, Internet und Co. „zufällig“ nicht oder nur unter großem Aufwand funktionieren.

Manchmal ist es hier einfach… es gibt zwar ein „Hackertum“ in Japan, aber prinzipiell unterscheidet sich der Geist dahinter doch sehr vom Westen. Das sieht man dann daran, daß z.B. Android hier kaum anzukommen scheint. Überhaupt ist freie Software, DRM etc. kaum ein Thema. Die Gründe sind vielfältig, zum einen sicher ガ ラパゴス化, zum anderen liegt es wohl auch schlicht daran, daß man in Japan doch einfach nicht etwas tut, was nicht erlaubt ist.

Hypersims sind mir in Akihabara jedenfalls noch nicht untergekommen (wobei ich nicht auschließen möchte, daß sie nicht doch irgendwo unter der Theke gehandelt werden). Aber auch wenn – die Netzstrukturen sind so proprietär, was würde man hier schon mit einem Uber-Smartphone ohne e-mail anfangen wollen…

EDIT: Bevor jemand meckert – mittlerweile bringt Softbank einige Androidmodelle von HTC und bei Docomo gibt es jetzt Smartphone Nr. 5, das Xperia X10.

Japanische Bürokratie

April 6, 2010

Ich habe mal wieder sooo einen Hals, also muss gepostet werden.

Obwohl, eigentlich…

Muss man fairerweise sagen, daß die japanische Bürokratie eigentlich ganz in Ordnung ist. Bis auf Führerscheinbehörde (elendiges Warten, Führerscheinbehörde derart in der Pampa, daß man ohne Auto eigentlich nicht hinkommt… die Ironie!) und, obligatorisch, die Ausländerbehörde… obwohl die eigentlich auch ganz in Ordnung waren… und wenn ich so die Geschichten von Kommilitonen in Deutschland hörte, scheint man in Deutschland derart viel Ermessensspielraum in die Hände des zuständigen Beamten zu legen, daß man, abhängig davon, wie des Beamten morgentlicher Stuhlgang war, quasi zwischen Deportation und Einbürgerung steht.

Das ist in Japan nicht so, die Abläufe sind geregelt und festgelegt, fast schon Bürokratie im Weberschen Sinne – zumindestens was meine, sicherlich nicht repräsentativen Erfahrungen angeht.

Ja Moment, ich wollte mich doch beschweren!!!

Was nervt, ist daß die Behörden einem immer mal wieder irgendwelches Geschreibs zuschicken. Auf denen so Wörter stehen wie

国民年金保険料学生納付特例申請書

Könnt Ihr nicht lesen, Ihr Amateure? Ist doch easy. Kokuminnenkinhoukenryougakuseinoufutokureishinseisho. Easy. Der nächste Japaner allerdings, der ankommt mit „Donaudampfschifffahrtskapitänsmütze“, Deutsch, das ist ja soooo schwierig, dem hau‘ ich in die Fresse.

’ne, da fehlen keine Hiragana, das ist auch kein Chinesisch. Aber wenn es dann mal weniger Kanji sind, ist es ein Wort, von dem ich im Leben noch nichts gehört habe.

Zum Beispiel 障碍者控除.

F***. F***, F****, F*************!!!!!

Ich habe jetzt ca. _1,5_ h damit verbracht, so eine dumme Postkarte auszufüllen. Etwa, wie der Typ in Eurotrip, im Club Vandersexxx, mit dem Safeword.

Und irgendwie komme ich mir auch genauso benutzt vor.

Es ist ja noch nichtmal so, daß ich gar kein Kanji davon kenne. Auch wenn es mir manchmal peinlich ist, nicht über Level 3 hinauszukommen (und dann wird man auch noch quasi zu N4 „abgewertet“, dieses Jahr), aber nun ist mein Primärziel nun mal nicht Japanisch zu lernen… auch wenn wenn das unter den Sekundärzielen sicher ganz ganz oben liegt.

Aber was bringt einem das? Selbst wenn ich ein Kanji kenne, ja wenn sogar der Teilbegriff irgendwie Sinn macht (äh… irgendwas mit Rente – Studenten … besonders … Geschreibsel… Hm…). Das ist in etwa so, wie ein bißchen schwanger. Nett, daß man die Richtung weiß, aber es bringt einem ja nichts, es empfiehlt sich dann doch, sich hinzusetzen und gewissenhaft nachprüfen.

Der Punkt ist, ich hab den Sch**** ja schon letztes Jahr ausgefüllt und abgeschickt, aber natürlich habe ich diese ganzen speziellen Spezialbegriffe der Spezialbürokratie nicht auswendig gelernt. Ohne Steuern, mit Steuern, Witwensteuernachlass. Moment, Witwensteuernachlass? WTF???

Ich hab‘ früher immer die hzB damit genervt, aber erstens ist die auch beschäftigt, zweitens macht ein Mann solche Sachen selbst, wenn er ein echter Mann ist, richtig? Richtig! Und drittens, und ich hoffe sie liest das Posting jetzt nicht so weit, sonst kriege ich wieder Haue, habe ich zu oft gehört „Keine Ahnung, was man da ausfüllen muss. Das macht immer Papa.“

Das ganze kommt dann auch immer noch in einer 8Punkt Font, so daß man die Kanji kaum entziffern kann. Dann gehts ab mit IME oder Denshi-Jjisho zum Kanjikritzeln, Kanji für Kanji. Lesungen runterschreiben, Bedeutung nachschauen… und dann geht halt für so eine dämliche Postkarte 1,5h drauf. Fairerweise – es ist auch immer meist ein Erklärungszettel dabei, auf dem alles ganz genau erklärt ist. Auf Japanisch. Mit noch mehr Kanji. Und alles immer im Beamtenjapanisch, mit möglichst wenig Hiragana. Und Heisei. Verdammt. Scheiss Monarchie, wann kommt endlich die große Revolution, die die Republik bringt? Naja, Revolution, in Japan wohl nie. Muss ich da doch wieder selbst Hand anlegen?

Hilft alles nix, da muss man durch. Ich schließe mit einem Zitat des Griechen über das Japanische, dem Sack, der steht kurz vor 1kyu, nicht das ich neidisch wäre… Ich bin grün vor Neid.

japanese –

it’s a battle mate, it’s a battle. And we have to devote time to that, also.