Roppongi

Nene, ich wusste ja schon, worauf ich mich da einlasse. Naja so halb.
Ich meine eigentlich geplant als ruhige Woche mit der hzB, wies mich vor Abreise ein Bekannter noch auf http://www.london-calling.jp/ und gewisse Pflichten als Freund elektronischer Tanzmusik hin. Kurzum Zombie Nation kam auf einen Kurztrip nach Japan in einen mittelgroßen Club, ins Warehouse. Also keine Großraumdisco-Atmosphäre, sondern mehr so durchgestyltes Clubbing.

hzB zum Mitkommen zu bewegen war nicht einfach. Denn Zitat Anfang „In Japan gehen nur junge Menschen in eine Disco, das weißt Du schon, oder?“ Zitat ende, schien eine große Barriere. Die Analyse der _zahlreichen_ Implikationen dieser Aussage, über mich, über die hzB, über uns, über Japan etc. sei dem geneigten Leser zur Übung überlassen.

Äh ja. Also los, aber vorher noch auf einer Website im Internet auf die Gästeliste eingetragen.

Das ist kein Witz, man konnte sich im _Internet_ auf die Gästeliste eintragen lassen. Und bekam ermäßigten Eintritt und konnte sich in einer anderen Schlange anstellen. Eine kürzere Schlange.

Ich meine, ich war noch _nie_ auf irgendeiner sch*** Gästeliste in Deutschland. Berühmt, reich oder hat mit dem Besitzer geschlafen, das sind, denke ich mal die üblichen, beliebig kombinierbaren Bedingungen in Deutschland, die zum Hinzufügen zur magischen Liste führen.

Ausweiskontrolle und unter 21 kam keiner rein, was die Aussage der hzB schomal ad absurdum führte. Dem Insider ist an dieser Stelle schon klar wieso:

Roppongi ist nämlich nicht Japan.

Der 2×2-Meter viereckige, schwarze, gefährlich aussehende US-Amerikaner… verstand dann auch ohne Probleme meinen Namen, den ich selbstverständlich mit einem hinreichend gut getarntem Akzent zum Zwecke der Solidarität aussprach, kam dann aber ins Stocken als ich den Namen der hzB japanisch aussprach. Der weibliche, japanische Sidekick verstand mich aber und flugs waren wir auch schon drin. So einfach geht das, trotz ohne AOL. „oh, you mean He-tou-mie“ [1]

Ich bin mit dem Franzosen dann zum Schluss gekommen, daß diese Gästelistennummer ein Fake ist, um Ausländer reinzubekommen. Ich meine bugged Out/London Calling, das ist ne europäische Sache, die Webseiten sind auf Englisch, die Registrierungsseite auch. Da findet, da nach meinem Gefühl in einem japanische Parallelinternet surfend, kein „normaler“ Japaner jemals hin. Nur Ausländer.

Überraschung 1: Ich hatte gedacht, es ist wirklich so eine „weiße Gaijins schleppen junge Japanerinnen ab“-Nummer. Umso erstaunter war ich, daß der Anteil Ausländerinnen durchaus hoch war. Die Leute an der Bar sprachen fließend Englisch. Security konnte kaum Japanisch. Nicht ganz, aber doch nicht völlig verschieden von einem ganz normalen europäischen Club. Ein angenehm durchmischtes Publikum.

Überraschung 2: Sorry, aber wenn ich „Zombie Nation kommt nach Japan“ lese, dann _erwarte ich_ mindestens ab 01:00, sagen wir spätestens 02:00 Kernkraft 400. Wieso komme ich denn sonst? Und ich erwarte ebenfalls, daß Zombie Nation da nicht sein Standardclubprogramm mitnimmt, sondern heftig von seinen eigenen Sachen reinfummelt. Aber wenn dann zum Warmup sowas wie Vinylshakers und irgendwelche 70s Remixes laufen, dann _ARGH_. Überhaupt hatte ich das Gefühl, daß der gute Florian da nur dabeistehen durfte. Ständig war einer der local-residents am auflegen. Vielleicht durfte er da mal ab- und zu nen Vorschlag machen, entschuldigung, aber es gibt da son Track, gar nich mal sooo unerfolgreich, könntet ihr den nicht mal spielen? Ne sorry Flo, aber sowas spielen wir hier nicht, daß mag die Crowd nicht. Achso ne ok, ich dachte nur, so ne Art persönlicher Gefallen, weil ich doch aus Deutschland…. Ne Flo, tut mir leid, aber das geht wirklich nicht… ah hm, ok….

Und die restlichen DJs waren scheisse. Naja.

Die letzten Züge fahren in Tokyo um 01:00, der nächste dann um 05:00. Urgs. Der Bekannte wollte um 3 Uhr oder so raus, weil völlig k.o., d.h. dann rumstreunen durch Roppongi, was total nervte. Ich meine beim rumlaufen durch Roppongi um die Zeit… das war wirklich schon so eine Art „Shock!!!“. Da war zum Beispiel eine dicke, häßliche, schwarze US-Amerikanerin, die gerade Streß mit ihrem Freund(?) hatte… und ihn mit Worten beschimpfte, die ich vorher höchstens in der Ali G-Show gehört hatte. Wie ein schlechter Film.

Ne, da zeigte sich das gesamte Ausländertum dann irgendwie von seiner häßlichsten Seite fand ich. Gaijin minna urusai, ne… Das zog dann irgendwie den fast gelungenen Abend eher runter. Zumal es halt wirklich keine Plätze ich Japan gibt, wo man einfach mal ein bisschen chillen kann… Ich werd mal ein Posting über „Public Space“ insb. in Tokyo machen… wird ein sehr kurzes Posting werden. Gibt nämlich keinen.

Hatte ja viel berühmt berüchtigtes gehört von Roppongi. Ich war lange nicht mehr in einem Club, lange kein Techno mehr gehört. Lange keine Vodka-Redbulls mehr für 8 Euro gekauft. Bestimmt 4 Jahrer oder so. War mal wieder nett.

Auf der anderen Seite denke ich, daß hat dann auch erstmal gereicht für die nächsten 4. Man wird halt auch älter.

PS: Genau 0 Fotos, keine Chance. Ich habe aber auch noch nie in Japan ein Handy mit Xenon-Flash gesehen…

[1] zum Schutze der Identität geändert, echter Name ist der Redaktion bekannt

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3 Antworten to “Roppongi”

  1. Alex Says:

    Vanilla in Roppongi ist ganz nett. Aber auch nur ab und an…

  2. admin Says:

    googel googel… hm : „Vanilla: Not really a clubbing place to dance but more famous as a place to pick up girls or guys.“ ( http://www.tokyoatnight.blogspot.com/ )

    Alex, der Schwerenöter? 😉

    Aber ernsthaft: Danke für den Tip, steht auf der Liste; nur wie gesagt: Für die nächste Zeit hab ich erstmal genug 🙂

  3. Alex Says:

    Habe gerade festgestellt, daß das Vanilla zugemacht hat. Und Velfarre ist sogar abgerissen… Auf Youtube gibt es aber noch ein Paar Videos, auch von der Trance-Area.

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