Ich lerne… langsam

Mein Japanisch ist immer noch grauenhaft, auch nach langer Zeit des Lernens. Daher hatte ich eigentlich geplant, was auf Japanisch zu schreiben. Eigentlich wollte ich hier ein bisschen in fiesester Weise mit kleinem Zwinkern über Sprachen herziehen. Ich meine es ist ja so, daß Sprachen, die man nicht versteht oft allein durch ihre Laute eine gewisse emotionale Reaktion hervorrufen. Vielleicht ähnlich wie Dialekte.

Z.B. das Bild, wenn zwei französische Frauen sich streiten; da würde man als männlicher Deutscher wohl schmachtend daneben stehen und nur denken „so sexy, so viel Kultur… hach…“. Auf der anderen Seite habe ich in Charles-City im Bus oft gedacht, uh oh, gleich geht die Schlägerei los. Dabei haben sich die Araber wahrscheinlich nur übers Wetter unterhalten.

Ich bin kein Sprachtheoretiker, aber ich denke es liegt daran, daß die Laute im Arabischen wohl viel „im Hals“ gebildet werden, im Französischen spricht man „durch die Nase“. Geht man nach Filmen, Literatur und Musik (Stichwort Ramstein) klingen wir Deutschen für Amerikaner wie Araber für uns. Ok, das sind natürlich Klischees, die bedient werden. Und wenn man eine Sprache anfängt zu  verstehen, ändert sich das dann natürlich sowieso…

Egal, hier gibt es ne Menge … naja ne Menge ist relativ, vielleicht 40 oder 50 Vietnamesen. Ich hatte geplant übers Vietnamesische herzuziehen, denn das klingt wirklich … eher unschön. Ich hatte mir lange, fies-gemeine Satzkonstruktionen überlegt, um zu beschreiben, wie sich das Vietnamesische für einen deutschen Muttersprachler anhört. Am Ende war ich bei irgendwas in Richtung „Vietnamesisch hört sich in etwa so an, als ob ein traumatisiertes Opfer eine Lobotomie mit Zungenspaltung eine Kartoffel essend auf dem Kopf stehend versucht, daß Quacken einer Ente zu imitieren, dabei jedoch ausrutscht, die Kartoffel halb verschluckt und würgend versucht „Aua“ zu sagen, auf der anderen Seite jedoch dabei relativ ruhig bleibt… halt aufgrund der Lobotomie“.

Nun wird der geneigte Leser hoffentlich bemerken, daß das nicht ganz so ernst gemeint ist, aber ein Fünkchen Wahrheit drin steckt. Und natürlich nicht politisch korrekt, aber auch keinesfalls böse gegenüber Vietnam, Ho-Ho-Ho-Chi-Minh, _der_ Partei oder dem Vietcong gemeint.

Tschuldigung, ich kanns nicht lassen, nein aber wirklich nicht böse gemeint. Es klingt halt scheisse. Da kann ich ja nix für.

Ich wollte dann dementsprechend ein Posting in Japanisch verfassen, hab dann angefangen, irgendwas zusammengeschrieben und natürlich gute Bekannte konsultiert, zwecks Korrektur.

Böser Fehler. Also ersteres, nicht letzteres. Die waren richtig erschrocken. Schockiert. Was ich für ne Type bin. Wie man so fiese Dinge einfach im Internet schreiben kann. Ich hab den Link zu 4-chan dann nicht rausgerückt, aber… der Punkt ist, daß sich japanischer Humor so unglaublich von deutschem unterscheidet… das, sofern man solche Dinge schreibt, auf Japanisch einfach nur wie ne miese Ratte klingt. Die ganze Sache an sich ist einfach nicht übersetzbar, nicht transformierbar ohne die eigentliche Bedeutung komplett zu verlieren. So scheint es mir. Es klingt auf Japanisch wie der letzte Ar****.

Ok, das war jetzt ne Steilvorlage für die Comments… 🙂

egal. Ich lerne langsam, aber ich merke, daß man mit persönlichen Meinungen hier vorsichtig sein muss. Sie könnten ernst genommen werden.

Als Anekdote sei angemerkt, daß ich, ob der leichten credits gerade eine Englischvorlesung höre, die ums Thema wissenschaftlich schreiben & diskutieren geht. Und der Dozent fragte dann in einer der ersten Stunden, doch bitte zu definieren bzw. zu assoziieren, was wir unter „critical thinking“ verstehen.

Und von einem Japaner kam die Antwort: Das „critical“ würde sehr negative Konnotationen wecken. Direkt kritisch ist schlecht. Das schadet der Harmonie.

Und wenn hier tatsächlich mal ab und zu Japaner mitlesen, hoffe ich das sie die Einträge hier nicht immer allzu ernst nehmen.

Und zuallerletzt natürlich bei so kulturellen Sachen: Großen Disclaimer, denn nichts hat sich bisher als so falsch herausgestellt, wie die ganzen Klischees und kleinen Weisheiten die man in Deutschland über Japan so aufschnappt. Ich lerne auch immer noch dazu, jeden Tag und vielleicht merke ich morgen, daß die Beobachtungen hier auch nur völlig falsch von mir interpretiert wurden…

Vorsatz für heute: Schneller Japanisch lernen!

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2 Antworten to “Ich lerne… langsam”

  1. Kucki Says:

    D-San.

    Also ich finde du solltest unbedingt das Buch: „Darum nerven Japaner“ lesen.

    Das stehen hammer Geschichten über Vorurteile äh Urteile, also Tatsachen über japan und seine lustigen Einwohner drin.

    Zum Beispiel: (In meinen eigenen Worten)
    Ein beliebter Volkssport in japan ist der Selbstmord. Und da es viele Züge gibt, kann man sich ja auch so praktisch davor werfen.

    In Tokio gibt es die Yamamote Line. Eineringbahn, die in beiden Richtungen um Tokio und Tokio herum fährt.
    Im flotten 3 Minuten Takt oder so, rein in Station, alles gesitte raus, alles gesittet rein. So mal eben 2000 Leute wechslen raus und rein.
    Was das für ein Chaos gibt, wenn so eine Bahn mal wieder nicht fahren kann, weil japanische Mett auf den Gleisen liegt, ist ja wohl mal klar.
    deswegen hat JR (hrhrhr, nicht der aus Dallas) mal Schilder aufgestellt um das Problem in den Griff zu bekommen.
    „Bitte werfen Sie sich nicht zur Hauptverkehrszeit vor die Züge!“

    Das gab sogar in Japan dann Ärger.

    Ach ja. Ich habe Flug und Hotel gebucht. Ich werde am Samstag in kansai International in Osaka landen und im Keihan Hotel wohnen.
    Sonntag habe ich also leider meinen einzigen freien Tag, da ich am Samstag drauf wieder zurück fliegen muss.

    Evtl können wir das ja sogar schaffen uns kurz zu treffen.

    Mata blog ne kudasai.

    /Kucki

  2. admin Says:

    Ich habe das Buch nicht nur gelesen, sondern die japanische Ausgabe direkt mal am Anfang der hzb geschenkt.

    Damit direkt mal einige Dinge klargestellt waren 🙂

    Das Buch ist übrigens unter Japan Fans sehr umstritten. Liest sich halt wie eine Anklage und wenn man das Buch liest und selbst noch nicht hier war, kriegt man denke ich möglicherweise einen sehr schlechten Eindruck von Japan.

    Auf der anderen Seite kann ich schon nach kurzer Verweildauer hier absolut verstehen, was seine Motivation war – und alles in dem Buch stimmt natürlich!

    Auf der anderen Seite wird ein Japaner auch einen sehr einseitigen Eindruck von Deutschland bekommen, wenn er Wallraffs „Ganz unten“ liest….

    PS: Danke für die Links per Skype. Dann nächstes Mal in Osaka wird es bestimmt klappen!!!

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