Archive for September 2008

Das Paralleluniversum (TM)

September 21, 2008

Es gibt ja so Momente im Leben, da denkt man, man ist im falschen Film. Also daß man sich vor einem Moment noch in dem einem Universum heimisch fühlte und jetzt plötzlich einen Sprung gemacht hat – wo alles, was es gibt, noch genauso aussieht, die gleichen Personen, aber irgendwie ist jeder verrückt, unfassbar wahnsinnig.

Und nein, ich rede nicht vom japanischem Fernsehen. Es geht um fundamentalere Dinge.

Es ist nicht oft, daß so etwas passiert, läßt mich dann aber manchmal an meinem Verstand, an allem zweifeln. Ich nenne so etwas DAS PARALLELUNIVERSUM (TM).

Um zu illustrieren, was ich meine, erzähle ich mal die Episode aus dem Sowi-Unterricht in der elften Klasse bei Herrn … nennen wir ihn mal Herrn Revolution oder kurz R. Vorsicht, das wird jetzt umständlich und seeeeehr laaaaaaangsam, genauso wie Herr R. immer gesprochen hat.

Herr R. war nicht gerade der motivierendste Lehrer und meistens war es ein langweiliges Absitzen bei dem man sich mal ab und zu, schon aus Langweile, an den aufkommenden, fast immer belanglosen Diskussionen beteiligte. Eines Tages kam jedoch ein Referendar zu Hernn R. hinzu und gestaltete den Unterricht mit.

Üblicherweise gab es bei Herrn R. einen Text, einen kopierten Zeitungsausschnitt oder ähnliches. Eines Tages war das Thema die Gesundheitsreform. Der Text den wir bekamen analysierte die Kostensituation und kam zu dem Schluss, daß es notwendig sei, bei älteren Menschen auf gewisse Behandlungen aus Kostengründen zu verzichten – insbesondere bei größeren Operationen. Konkret wurde die Frage gestellt, ob es wirklich notwendig sei, einem Menschen im Rentenalter (>65) noch aufwendig einen Bypass zu legen oder einen Herzschrittmacher einzusetzen. Der Vorschlag wurde gemacht, dieses aus den Kassenleistungen zu streichen. Der Text zitierte auch einige Politiker der größeren Parteien (CDU, SPD, FDP, Grüne), die sich zu dem Thema äußerten; wenn auch nicht absolut zustimmend, zumindest nicht ablehnend.

Nachdem wir kurz Zeit bekamen den Text zu lesen, äußerten sich dann tatsächlich einige Mitschüler relativierend, aber vorsichtig positiv zum Vorschlag. Einige Mitschüler, die ich vorher als mit einem gesunden Menschenverstand ausgestattet eingeschätzt hatte.

Ich fiel aus allen Wolken, das es tatsächlich jemanden gab, der diesen indiskutablen Wahnsinn nicht _sofort_ verurteilte. Zusammen mit einigen anderen Schülern, die ähnlich fassunglos wie ich waren, protestierten wir aufs Heftigste. Andere wiederum schließen sich der „Gegenseite“ an. „Wir“ waren in der Minderheit.

In diesem Moment war es da, das Paralleluniversum (TM).

Nach etwa 10 Minuten ließ ich den Text nochmal genau durch. Nur die Überschrift enthielt konkret den Vorschlag; die Zitate der Politiker waren etwas ungenau und benannten den Vorschlag nie explizit, sondern redeten immer nur „über die Sache“. „Wir“ fragten explizit nach, ob diese eine Fälschung sei, um uns zu provozieren, denn wenn dies ernsthaft so in einer Tageszeitung gedruckt wäre, würden wir im falschen Staat leben und auswandern. Die Frage blieb offen im Raum und wurde zuerst nicht aufgelöst.

Der geneigte Leser ahnt es schon, ich, im Vertrauen auf eine kompetent erscheinende Autoritätsperson damals nicht: Am Ende der Stunde bestätigte der Referendar dann: In der Tat, das ist _natürlich_ eine Fälschung und einige Schüler wurden gezielt vorher instruiert – quasi ein „Test“, eine Idee um die Diskussion anzuheizen. Es klingelte, alle gingen zu ihren verschiedenen Kursen, das ganz wurde danach nie wieder diskutiert. Passt auch, denn Herrn Aufruhr wäre ein solcher Stunt alleine tatsächlich nicht zuzutrauen gewesen, womit ich heute mein Versagen im sofortigen Erkennen verzweifelt versuche zu rechtfertigen.

Worauf will ich hinaus? Drei Punkte:

1.) Bis heute macht es mir _unglaublich_ _Angst_, daß es außer den zwei oder drei instruierten Schülern eine beträchtliche Anzahl gab, die fröhlich aufgrund von einigen, subjektiven Kriterien das Leben anderer als weniger lebenswert betrachteten. Oder wie mein ehemaliger Englischlehrer zu sagen pflegte: Wir soll denn Demokratie funktionieren, wenn es so viele Arschlöcher gibt und deren Stimme genauso viel wert ist, wie meine? [1]
2.) Das Meinungsführern oft blindlos Leute folgen (ich will mich da als Herdentier nicht ausschließen), denn diese zwei oder drei „eingeweihten“ Leute waren sorgfältig ausgewählt worden.

Aber worauf ich eigentlich hinaus will:
3.) Wenn einem irgendwer eine Story erzählt, die wie sich wie Bullshit liest, wie Bullshit anhört und nach Bullshit riecht, muss man vorsichtig sein. Es könnte sich nämlich um Bullshit handeln.  Oder: Der WTF-Graph ist zu beachten. [2]

Eine solche Geschichte bekam ich nämlich neulich zu hören. Ich recherchierte über das Gesundheitssystem Japans und über die Dinge, auf die ich mich im Falle des Falls einstellen muss.

Dabei hörte ich folgende Geschichte eines in Japan lebenden US-Amerikaners [3], der da berichtete, er habe einen Bekannten in einer japanischen Universitätsklinik gehabt, der sich gerade in der Ausbildung zum Arzt befand. In einem größeren Projekt wären Testpersonen vonnöten, er ob er sich nicht zur Verfügung stellen…? Es gäbe auch Kekse, Kotelett oder eine Handvoll Yen und man brauche lediglich eine Blut- und Gewebeprobe abgeben. Lustig dabei habe er allerdings die Option im „Ich verkaufe meine Seele“-Formular gefunden, bei dem man ankreuzen könne, ob man im Falle eines unweigerlich tödlichen Befundes darüber unterrichtet werden wolle oder lieber in Unwissenheit…
Selbstverständlich mit JA angekreuzt, habe er eben diese und jene Probe abgegeben und ab nach Hause und gar nicht mehr daran gedacht.

Fast Forward zwei Wochen und plötzlich wird seine (japanische) Frau psychisch etwas instabil. Fängt an Reisen und Urlaub zwecks gemeinsamen Besuch bei ihren Eltern zu buchen, ist plötzlich viel netter und fürsorglicher als sonst, hält ihn von Gartenarbeit ab und ist oft verstimmt.

Nach zahlreichen(!) bohrenden(!) Nachfragen(!) erzählt sie im dann von dem Anruf der Klinik, über seinen Lungenkrebs im Endstadium und die paar Monate, die er noch hat. Kurze Zeit später fühlt er sich beschissen, hustet üble Siffe, ist kurzatmig und völlig am Ar***. Geht in eine lokale, andere Klinik wo man sich liebevoll um ihn kümmert, bis man von seiner Diagnose hört, woraufhin das „liebevoll“ und das „kümmern“ im vorherigen Nebensatz zu streichen ist.

Trotzdem macht der zuständige Arzt noch ne zweite Diagnose. So erfährt der geschätzte Mann, er habe sich ne heftige Erkältung und eine leichte Lungenentzündung zugezogen. Aber Lungenkrebs habe er keine, er sei außer der Erkältung völlig gesund. Danach bei der ersteren Klinik angerufen, nachgehakt – es kam heraus, daß eine Probe vertauscht wurde. Entschuldigt habe man sich bei dem Mann jedoch nie. Der Mann sah sich insgesamt dazu genötigt, das japanische Gesundheitssystem vorsichtig als mit Nachteilen behaftet anzusehen.

Diese Geschichte hörte ich über Bekannte, die im Internet jemanden kannten, der jemand kannte, der eine Freundin hatte, dessen Schwester… bei so einer Geschichte schlagen bei mir natürlich die Alarmglocken. Denn da sind gleich so viele WTF’s drin:

1.) Die Existenz eines Formulars, bei dem man ankreuzen kann, ob man über lethale Diganosen informiert werden möchte, oder lieber im Unwissenden gelassen werden möchte.
2.) Die Tatsache, daß er – obwohl er JA markiert hatte – trotzdem nicht persönlich unterrrichtet wurde, sondern über Telefon(!) seine Frau(!)
3.) Das seine Frau erst nach seiner Nachfrage(!) aufhörte ihn anzulügen.
4.) Der Diagnosefehler
5.) Das Fehlen einer Entschuldigung/Entschädigung

Hört sich also sehr nach urbaner Legende an. Ich hatte diese Story schon längst beiseite gelegt, als ich mit einem japanischen Freund über die Sicht Deutscher/Europäer/US-Amerikaner auf Japan diskutierte. Ich bemerkte, daß meist singuläre Aspekte der japanischen Gesellschaft herausgestellt werden (die auch hier als absolut freakig oder selten gelten) und dann in europäischen Medien als normal oder typisch für Japan benannt und abgedruckt werden.
Als Beispiel nannte ich das Züchten durchsichtiger Frösche zu Forschungszwecken, Sudoku, die obligatorische, jedes Jahr zu Sylvester erscheinende – Menschen in Japan an Reiskeks erstickt – Meldung in sämtlichen Tageszeitungen unter „Vermischtes“… und dann sprach ich auch obige Geschichte an, fing bei Punkt 1.) und 2.) und 3.) an.

Mit der Antwort hatte ich nicht gerechnet:

„Also das _kann_ durchaus sein – würdest _Du_ denn wollen, daß man es Dir sagt?“

Und wieder mal besuchte mich das PARALLELUNIVERSUM (TM). [4]

—-

[1] 10 Gummipunkte für das Erkennen der Ironie/des Loopholes

[2] WTF = What The Fuck?!

[3] für mitlesende Amerikaner: Bitte einfach das „US-“ wegdenken

[4] ich halte die Wahrhaftigkeit der Geschichte und die Existenz solcher Formulare bzw. einer solchen Praxis im Umgang mit Patienten nach eingehender Analyse nach wie vor für höchst zweifelhaft.

Advertisements

Was Technisches

September 15, 2008

Bei meiner Googlesuche war ich erfolglos, daher mal in Hoffnung das das hier dem einen oder anderen nützlich ist.

Szenario: Notebook in den USA oder Japan preiswert gekauft, nettes Schnäppchen gemacht. Doch was dann? Nur noch Englisch schreiben und auf ö, ä usw. verzichten?

Heutige Notebooktastaturen haben meistens keinen Aufdruck mehr, sondern kleine Aufkleber für die Lettern. Es gibt Klebesets für die deutschen Buchstaben und mit relativ geringem Aufwand hat man eine deutsche Tastatur – das Schnäppchen hat sich gelohnt.

Diejenigen, die mit zehn Fingern blind tippen, interessiert sowieso nicht, was auf den Tasten draufsteht.

Doch Moment, das erste Mal, wenn man mit Excel arbeitet oder programmiert merkt man plötzlich: Da fehlt doch was!

Genau, die Taste zwischen der linken Shift-Taste und dem Z (bzw. Y) fehlt. Weil auf US-Tastaturen keine Umlaute benötigt werden, hat man mehr Platz für die ganzen Sonderzeichen, diese Taste hat man daher extra beim deutschen Layout mit reingebastelt. Die mit größer, kleiner und dem vertikalen Strich, also < > |. Das ist sehr nervig, wenn man programmiert und z.B. Vergleich zwischen Variablen (x<y) braucht oder das „logische oder“ ||.

Ständig hin- und herwechseln zwischen deutschem und US-Keyboardlayout ist natürlich auch keine Lösung, zudem < und > im Us-Layout rechts neben dem M zu finden sind – für Schnellschreiber eine schwere Umgewöhnung.

Man kann aber ein eigenes Keyboardlayout definieren, daß diese Zeichen auf entsprechende Tasten legt. Ich habe mich bemüht, dabei das deutsche Layout einzuhalten, d.h. daß man beim Blindschreiben in etwa die gleichen Griffe macht.

Ich setze voraus, daß man entweder ein deutsches Betriebssystem installiert hat oder seinem System schon Deutsch „beigebracht“ hat.

Unter Windows kann man den Microsoft Keyboard Layout Creator benutzen und sein eigenes Keyboardlayout erstellen. Wem das zu aufwändig ist, der kann mein vorgefertigtes Layout nehmen:

Download German Custom Layout

Ich habe | auf „Alt gr + Y“ (oder eben Z auf dem US-Layout) gelegt, < auf „Alt gr + X“ und größer > auf „Alg gr + C“.
Runterladen, installieren. Dann in der Systemsteuerung auf Regions- und Sprachoptionen -> Sprachen -> Details. Dort taucht jetzt unter Tastatur nicht nur „Deutsch“ sondern auch „German – Custom“ auf. Das Standard-Eingabeschema sollte man dann auf German-Custom setzen.

Unter Linux geht das leider nicht ganz so einfach. Zunächst mal sollte man mit
xmodmap -pke > .Xmodmap
die Keycodes seiner Tastatur scannen und in der Datei .Xmodmap speichern. Danach müssen den Keycodes in der Textdatei .Xmodmap andere Zeichen zugeordnet werden.

Es bietet sich an, die ungenutzte linke Windowstaste für < und linke Windowstaste + Shift für > zu benutzen – das tippt sich fast wie auf einer echten deutschen Tastatur.

Leider habe ich es nicht geschafft, die Windowstaste + Alt gr anzusteuern – offenbar liefert die Windowstaste in Verbindung mit Alt gr keinen expliziten Keycode. Daher habe ich | auf Alt gr + Z(Y) gelegt.

Man sollte also suchen, welcher Keycode zu Y passt. Erstes Zeichen hinter dem = ist die normale Taste, zweites Zeichen ist wenn man Shift gedrückt hält, drittes Zeichen ist die Taste + Alt (gr).
Für Y würde man also sowas eintragen wie
keycode XX = y Y bar
und für die Windowstatste für < und >
keycode XX = less greater

Bei mir (Thinkpad X61s) lag z.B. die linke Windowstaste auf keycode 115, also
keycode 115 = less greater.

Ich habe meine .xmodmap mal hochgeladen, die ist aber wie gesagt für ein X61s und ich weiß nicht, ob sich die Keycodes auf anderen Geräten nicht möglicherweise unterscheiden.

in einer Konsole kann man die Konfiguration mit
xmodmap .Xmodmap
testen

Aus- und einloggen und Ubuntu blendet einen Dialog ein, ob es die .xmodmap bei jedem Start laden soll. Sollte auf jedem Gnomedesktop gehen, KDE leider keine Ahnung, ebenso was OS X angeht…

Schock!

September 13, 2008

Ich im Juli:

Ich jetzt:

Der Grund

(Bitte auch runterscrollen und das Diagramm ansehen)

Ansonsten hat sich eine gewisse Routine in meinem Alltag eingestellt, die dafür gesorgt hat, daß ich nicht mehr so viel poste. Aber keine Angst, daß Blog ist längst nicht aufgegeben – ein bisschen Geduld!

Gefährlich

September 2, 2008

„This is General Affairs Section.
We would like you to inform that we obtained information on a bear…“

Mal wieder. Man beachte auch wieder das typisch japanische Englisch.

Naja, diesmal direkt auf meiner allsonntäglichen Joggingstrecke. Aber ich bin ja schnell.

Hoffentlich schnell genug.

Wer auf Neuigkeiten wartet

September 1, 2008

wird sich noch etwas gedulden müssen.

Im Moment sieht mein Alltag meist so aus:

* 9 Uhr Wecker
* 9:15 Uhr Wecker
* 9:35 Wecker, diesmal wirklich. private Mails, Tee, duschen
* ca. 10:15: betrete das Büro, schalte die Klima und meinen Rechner an, neue Mails auf der Uni-Adresse
* 12:30 Mittagessen
* 13:15 zurück ins Büro
* 13:30 Japanischunterricht
* 15:00 Seminar, Programmieren, Diskussion mit $Boss1 und $Boss2
* 18:15 Abendessen
* 18:45 Paper lesen, programmieren, usw.
* 21:30 Schluss für heute!

Da fehlt dann abends einfach die Kraft noch irgendwas sinnvolles zu machen. Zumal ich dann abends meist versuche, wenigstens kurz noch Vokabeln, Kanji etc. zu wiederholen.

Erstaunlicherweise kommt fürs Studium bei der ganzen Zeit viel weniger rum, als man so denkt. Ich frage mich manchmal wo die Zeit bleibt…