Frust

Manchmal hat man so Tage. Da will man einfach nur laut ARGH! schreien. Da läuft einfach nichts und man geht bei jeder Kleinigkeit in die Luft. Ich muss jetzt mal Dampf ablassen:

Das sind so triviale Dinge des Alltags; z.B. wenn man bügelt: Japanische Bügelbretter sind zum Sitzen konzipiert Bsp., sicherlich optimal für kleine japanische Hausfrauen mit kleinen japanischen Beinchen und kleinen japanischen Händchen. Großen Gaijins schmerzen aber nach ca. 5 Minuten die Knie unglaublich – letztendlich bügelte ich dann im Bücken, verbeugt den großen Gott der Knitterfalten anbetend, huldigend – mit geschundenem Rücken und immer noch schmerzenden Knien und bemerkte daß sogar die Waschmaschinen feindselig gestimmt sind – so agitiert die Waschmaschinen/Trocknerkombination fortwährend gegen meine Krägen, nagt, nein kaut an ihnen, Fransen für Fransen, bis sie verlieren, chancenlos sich dem Faden ergeben, unrettbar kaputt, Made in Turkey.

Müll: Recycling gibt es auch hier: Zurecht wird ja das deutsche Recyclingsystem von Aus- und auch Inländern als größten Quatsch seit Menschengedenken bezeichnet.
In Japan hat man sich dieser Kritik angenommen und ein ähnliches System eingeführt, jedoch stark vereinfacht: Getrennt wird hier lediglich nach den Kategorien Brennbar, nicht brennbar, Plastik, Papier, Pet-Flaschen, Aluminiumdosen, Stahldosen, Tetrapacks und Grünabfall.

Nun ist es leider so, daß die japanische Verpackungsverordnung Abschnitt 7 §§ 3 vorschreibt, daß Lebensmittelverpackungen aus Hygienegründen aus Plastik hergestellt werden müssen und mindestens 10% des Eigengewichtes des zu verpackenden Lebensmittels auszumachen haben. Die Plastikproduzenten des Landes haben ferner in einer Selbstverpflichtung beschlossen, dafür zu sorgen, daß die Bevölkerung flächendeckend mit Plastiktüten ausgestattet ist. „Ich werde nicht eher ruhen, bis das jede Frau und jeder Mann auf diesem Eiland beim Verlassen eines Supermarktes, eines Conbini, ja auch einer Tankstelle, mit mindestens 5 Plastiktüten versorgt wird“, um den Vorsitzenden der Vereinigung zu zitieren.
Erkennt man den Deutschen mit Migrationshintergrund also in Deutschland an der Aldi-Tasche, erkennt man ihn in Japan daran, daß er keine hat. Im Local-Conbini kennen sie schon den großen, bösen Ausländer, der da immer, wenn die Verkäuferin gerade ansetzt den Rieseneinkauf (also die eine 0,5 Literflasche Tee) in eine Plastiktüte zu packen, Rot wird vor Wut und sie zusammenzuckt ob des laut folgenden, donnernden Gebrülls いらないよ。だめ。

Soweit so gut, würde der Sch*** Plastikmüll nicht nur GENAU EINMAL im Monat abgeholt werden. Zum Müllplatz zu bringen selbstverständlich am Morgen bitte vor 8:00 und bloß nicht am Abend vorher, weil dann, möglicherweise, wobei die These noch nicht ganz bewiesen ist, den Menschen der Himmel auf den Kopf fallen könnte.

Achja, öffentliche Mülleimer gibt es übrigens selbstverständlich seit Aum nicht mehr. Wenigstens lebe ich hier nicht mehr unter der ständigen Angst, daß jemand an der Bushaltestelle bei der schönen Sonne im Freien eine Giftgasbombe im Mülleimer versteckt. (Wobei ich mich gerade frage, ob Giftgas jetzt combustible oder non-combustible ist. Recycling schließe ich mal von vornherein aus).

Der Recyclinggedanke ist fortgeführt zur Perfektion: Bei Plastikflaschen sind die Etiketten und Verschlüsse zu entfernen, die Flaschen ordentlich zu spülen, selbstverständlich nur mit bestem, sauberem Trinkwasser, damit man sie optimal recyclen kann.

Ich habe das letzen Monat verpaßt, war ja noch neu hier und überblickte das System nicht bis ins Detail und meine Wohnung sieht jetzt aus wie in Deutschland die Ecke am Bahnhof von Penner Paul.

Was mache ich in einer solchen Wut normalerweise: Nun erstmal ne Runde laufen um den Dampf abzulassen, was hier allerdings schwierig ist, so GANZ OHNE BÜRGERSTEIGE! Die Waldwege sind natürlich, auch tagsüber, zur eigenen Sicherheit ABGESPERRT, könnte ja sein, daß man von einem Bären überfallen wird oder sich im Wald verirrt. Ernsthaft, ich habe da allerdings eine sehr gute Idee gehabt, die mit Brotkrumen zu tun hat und ich habe mich noch nie verirrt!

Nach der Erschöpfung erstmal zur Beruhigung einen leckeren Espresso, moment, sagte ich Espresso? Hier gibt es nämlich im Umkreis von 30 Kilometern keinen Espresso und selbst nach 30 Kilometern nur den überteuerten Dreck von Starb****. Als Experiment habe ich Espressobohnen bei den letztgenannten grünen Verbrechern zu unschlagbaren Preisen gekauft, sowie eine Mühle bei Ya*ma*da *Den*ki (*fröhlich sing*) freuend ob der „Auch zur Verwendung von Espresso geeignet“-Aufschrift auf der Mühle. Was sich wegen der mangelnden Einstellung des Mahlgrades als glatte Lüge entpuppte. Ich hätte eine andere gekauft, wäre es nicht die einzige gewesen in einem Mediamarkt-Verschnitt der 5 Etagen hatte und gegen den jeder Elektroladen in Deutschland wie ein Tante-Emma-Laden wirkt. Also runter mit dem Filtergesöff aus der Melittamaschine, die wenigstens wegen des Umrechnugskurses etwa 30% preiswerter als in Deutschland war.

Vorher aber noch Geld am Automaten abheben, muss das Ding ja irgendwie bezahlen, aber *moment* es ist schon nach 18:00, da hat der Automat aber schon geschlossen. Äh WAS? Ja, die Automatengewerkschaft hat für dieses Jahr eine Lohnerhöhung von 3% rausgehandelt, dazu Extrastrom zu Weihnachten und Neujahr, drei bezahlte Tage Urlaub und Einführung der 38 Stundenwoche. Die Ironie ist, daß die Geldautomaten damit bessere Arbeitszeiten haben als eigentlich jeder menschliche Arbeitnehmer, man könnte das auf die Spitze treiben und sagen man kümmert sich in Japan mehr um Maschinen als um Menschen, aber das wäre vielleicht ein bisschen zu weit gegriffen. Ein bisschen.

Also , wenn das mit der Weltherrschaft übernehmen endlich fertig ist, werde ich als erstes das
1.) Müll zusammenpacken und nach China verschiffen-Gesetz einführen
3.) Die Vorschrift der Mindesthöhe von Bügelbrettern auf 1,40m einstimmig beschließen lassen
2.) Sofortiger Wechsel von dem amerikanischen A-Steckersch**** auf Schuko-Steckdosen (noch nichtmal Kühlschränke(!) haben hier nen Schutzleiter.) oder möglicherweise sogar was verpolungsichereres wie Dänemarks Typ K
4.) Ersetzung des bescheurten JET-Programms, was ja offenbar angesichts des durchschnittlichen Englisch-Sprachniveaus eh nicht funktioniert durch ein IET-Programm (Italian Espresso Teaching), nein besser, Zwangsentführung von italienischen Baristas (ganz im Stile von Nordkorea, nur noch BÖSER), inklusive deren Automaten sowie freier Espresso für alle, Schulkinder ab 6.

Grummel. So besser. Fast schon mit einem Lächeln im Gesicht. Fast. Jetzt erstmal einen Kaf^^ARGH.

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3 Antworten to “Frust”

  1. Nijosch Says:

    Geil! Das ist ja echt noch schlimmer als bei uns im Lande….
    Was passiert denn, wenn im Kühlschrank mal einer der Leiter Kontakt zur (bestimmt aus Metall gefertigten) Außenhülle bekommt?!

  2. admin Says:

    Man bekommt ne neue Frisur, würde ich mal sagen. Aber sind ja hier nur 110 Volt, daher mach ich das manchmal einfach nur um richtig wachzwerden, gibt ja keinen ordentlichen … äh ja.

  3. Winnie Says:

    Darauf trink ich mir jetzt erstmal nen Espresso… 😉 kann man denn wenigstens das Bier trinken?

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