Japanische Handys sind überbewertet

Als Aufhänger nehme ich mal den Artikel Zu schnell für den Erfolg.

Die Essenz dieses Artikels: Japanische Handys sind derart modern, daß sie quasi unbrauchbar für den europäischen Markt sind. Für den europäischen Markt müssten japanische Hersteller komplett neue Produktlinien herausbringen, die mit Europas veralteter Technik funktionieren.

Tabibito schreibt in seinem Blog zudem zur Einführung des iPhones in Japan: „viele Handys können bereits das, was das iPhone kann – manchmal besser und manchmal schon seit Jahren.“

Und dem letzten Teil des Satzes muss ich heftigst widersprechen.

Japanische Handys haben viele Funktionen, aber die Bedienung ist grauenhaft. Verschachtelte Menüs und 9er Tastaturen sind an der Tagesordnung. Damit lassen sich noch so gerade i-mode Seiten darstellen (iMode ist hier wirklich eine große Sache) – damit aber im „echten“ Internet zu surfen wird zum totalen Krampf. Selbst eine e-mail/SMS zu schreiben ist unglaublich kompliziert – das ist ja schon mit 26 Buchstaben hakelig, die japanische Lautschrift allein kennt aber 46 Zeichen, von den mehreren tausend Symbolen (Kanji) fange ich erst gar nicht an. Als ich mir von der hzB in Deutschland zeigen ließ, wie man auf einem japanischen Handy schreibt dachte ich damals zuerst „Das kann nicht ihr Ernst sein. Das ist Wahnsinn! Für ein Wort so viele Klicks!“. z.B. ein Wort im selbstverständlich installierten Wörterbuch nachzuschlagen dauert geschätzt 10mal so lange, wie die Dauer des Nachschlagens im handlichen Pocket-Langenscheidt (ganz Oldschool: Papier!), der sich als treuer Begleiter erwiesen hat.

Aus europäischer Sicht nerven dann noch so Sachen wie das Fehlen von Bluetooth, Sim-Locks trotz Vertrags (Gerät ohne neuen Vertrag wechseln nur mit viel Kosten und Aufwand), Fehlen von echter MIDP Unterstützung usw.

In Europa/USA experimentiert man im Moment mit neuen Eingabeformen – z.B. qwerty-Keyboards oder Touchscreens. Smartphones setzen sich hier aber sehr sehr langsam durch. Mein Provider z.B., NTT Docomo, hat gerade mal zwei Geräte im Angebot – ein Windows-Mobile 6-Gerät mit herkömmlicher 9er Tastatur und den HTC Touch.

Mein Handy (N706i) hat ein pervers großes Display (3 Zoll!), sieht unheimlich elegant aus, aber ist eben mehr schein als sein… Für viele Japaner ist beim Handy glaube ich Form wichtiger als Funktion, insbesondere für Frauen ist es wohl mehr Modeobjekt als technisches Gerät. Obwohl letzteres wahrscheinlich überall auf der Welt so ist.
Für mich ist das N706i letztlich kein großer Schritt nach vorn gegenüber meinem alten Nokia 6230i – eher sogar ein Schritt zurück wegen fehlender Bluetooth-Unterstützung.

[edit] beim Schreiben dieses Artikels und Besuchen der Docomo-Homepage fand ich dann heraus, daß Docomo ab August ein Blackberry verkauft. Ich könnte vor Ärger in die Luft gehen, habe ich doch vor gerade mal einer Woche mein Handy gekauft.[/edit]

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2 Antworten to “Japanische Handys sind überbewertet”

  1. kucki Says:

    ohayo d-san.

    ja, das mit den Handies in Japan ist so eine Sache.

    Gäbe es dort GSM Netze wäre der Heckmeck ein Neues zu kaufen gar nicht nötig.
    So stehe ich jetzt vor der Wahl mir noch ein UMTS2100 Handy zu kaufen und dann zu roamen oder doch einfach den Fakt nutzen, dass es doch in jedem Hotel kostenloses WLAN gibt, und ich einfach heim Skype.

    Dieses mal wird es wohl die Notebook Skype Variante werden. Aber das – das ich als Linuxer das mal sagen würde – wird wohl auf ein WM6 Mobile hinauslaufen auf Dauer. Ganz groß im Trend bei mir gerade das CECT T32 mit WLAN.

    Ohne Meldedaten in Japan würde ich eh kein Handy dort kaufen können, oder?
    Und zudem lohnt es sich für mich nicht so wie für dich.

    Noch 4 Wochen und ich fliege ebenfalls der aufgehenden Sonne entgegen.

    Matane

    /Kucki

  2. admin Says:

    Ich würde die Skype-Variante empfehlen. Die Roaminggebühren aus Japan sind wirklich sehr hoch, da kann man besser skypen und von den gesparten Gebühren lecker essen gehen 🙂

    Und ja, Reisepass reicht nicht für ein Prepaidhandy – man braucht die „Gaijin card“.

    Sonst könnte sich ja plötzlich jeder Terrorist ein Handy kaufen 🙂

    Ansonsten könnte die Nokia E-Serie (E61i) noch eine Alternative sein, wenn man auf WM verzichten möchte…

    cu

    umij

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