Archive for Juli 2008

Ein Besuch in K-Stadt

Juli 25, 2008

Letzten Montag war hier in Japan der „Tag des Meeres“, ein offizieller Feiertag. Daher also ein verlängertes Wochenende.

Was die hzB und mich dazu bewog endlich ein Treffen zu arrangieren. Als Lokation wählten wir K-Stadt, schließlich ist das wohl eine der schönsten japanischen Städten mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten – und eben bei mir in der Nähe.

Aber die Idee hatten nicht nur wir beide, sondern auch so 120 Millionen weitere Japaner – was dazu führte, daß wir für den Freitagabend ein gutes, passendes Hotel buchen konnten, danach aber alle vernünftigen Hotels die Preise kräftig erhöht hatten und zudem ausgebucht waren.
So stiegen wir in dem wohl miesesten, heruntergekommensten Hotel Japans ab.

Das „Hotel“ war dann auch schwierig zu finden, es war in einer kleinen Gasse, beim Suchen fragte die hzB dann eine Frau die da gerade entlangging. Und es ergab sich folgendes Gespräch:

„Äh, entschuldigen Sie, ich suche das „Hotel zum Fluss.“
„Da wollen sie _wirklich_ hin? Wieso?“
„Äh…“
„Wissen Sie, daß ist gar kein richtiges Hotel, das waren früher kleine Apartements, die aber jetzt nicht mehr vermietet werden… und… Ist es wirklich so billig?“
„Äh ja, also… es ist schon billig, dieses Wochenende… ein Doppelzimmer nur 6000 Yen pro Nacht…“
„Ok, also gehen Sie da und dahin… und… Viel Erfolg!“

Wobei wir es wahrscheinlich trotzdem noch besser erwischten als J., der mir berichtete er habe bei seinem Japanbesuch in Osaka immer vor dem Betreten des Hotels noch einen Abstecher zum Bahnhof gemacht, um dort für die Nacht seine Wertsachen einzuschließen. Weil das nötig war.

Was gibt es sonst über den Trip zu sagen? Hm, mal in grob:

0.) beim Aussteigen aus dem Zug am K-Hauptbahnhof, fühlte ich mich fast dazu genötigt zu schreien „Juhu, die Zivilisation hat mich wieder!!!“. Es ist komisch, aber wenn man längere Zeit in Charles-City gewohnt hat, fühlt man sich gerade hier an der Uni doch sehr sehr ländlich. Ungewohnt ländlich.
Zugegebenermaßen formulierte der geschätzte Freund T. bzgl. Charles City immer, daß CC „eine größere Kleinstadt sei, die die dadurch entstehenden Nachteile geschickt mit denen einer Großstadt kombiniere“, trotzdem ließ es sich da ja schon ganz angenehm wohnen. Ich bin sogar schon fast geneigt dazu, daß auf „leben“ auszuweiten und wahrscheinlich würde mir da sogar T. zustimmen. Müssen.

K-Stadt ist also Großstadt mit allen, was dazugehört: Nervige ausländische Touristen, Sehenswürdigkeiten, einem Museum für moderne Kunst, einem Starbucks am Hauptbahnhof (dazu in einem anderen Blogposting mehr) sowie einem funktionierendem ÖPNV. Also alles, was das Kaff hier nicht hat. Glücklicherweise ist K-Stadt mit dem Bus/Zug (2x umsteigen) in <60min zu erreichen

1.) Um endlich eine microSD-Karte zu kaufen, besuchte ich unter Führung der hzB die Ladenkette Yamada Denki. Yamada Denki ist sowas wie die Kette, zu der man in Deutschland geht, wenn man nicht blöd ist. Heißt: Absolut überteuert, man geht doch ab und zu hin mangels Alternativen (außer man wohnt in Charles City, das wohl die höchste PC Händler/Einwohnerdichte Europas hat). Im Unterschied zu Deutschland ist der Service allerdings gut und die Verkäufer wirkten auch nicht ganz so dumm. Was allerdings schlimm war: Es gibt so einen Jingle – dieser Jingle wird mindestens alle 10 Minuten laut hörbar gespielt. Er nervt total, ist auf der anderen Seite aber total eingängig, so daß man sich nach kurzer Zeit selbst haßt, wenn man z.B. an der Bushaltestelle wartet und innerlich "Yamada Denki!" ruft. Ich möchte diese Erfahrung niemandem vorenthalten, bitte: Yamada Denki!

2.) Der Besuch war unglaublich anstrengend – wir wollten halt viel sehen, viel erledigen, viel kaufen (ich brauchte nach der 20kg Grenze beim Fluggepäck _eine Menge_ neuer Dinge und bin jetzt aufgrunddessen und des Hotels pleite, wie es sich für einen ordentlichen Studenten gehört), zum anderen waren es aber auch tagsüber 35 Grad bei geschätzten 90% Luftfeuchtigkeit. Dazu kommen dann noch, als Deutscher absolut ungewohnt, die Klimaanlagen, die in jedem Bus, Geschäft, Restaurant etc. auf Full-Power laufen. Das kickt einen total weg, wenn man plötzlich durchgeschwitzt von 35 Grad auf 19 kommt, friert, völlig umgehauen wird beim Zurückkehren zu 35… ich wundere mich, daß ich das alles ohne Erkältung überlebt habe.

Insgesamt drei absolut lohnenswerte Tage. Fotos habe ich auch eine Menge geschossen und online gestellt. Für die Qualität der Fotos muss ich mich entschuldigen, ich hatte vergessen die Voreinstellung der Kamera umzustellen, die Fotos nur in Größe des Handydisplays schoss (400 mal irgendwas). Aber auch die 2 Megapixelfotos sind in der Qualität unterirdisch – weil das Handy so flach ist, hat man wohl die „Optik from Hell“ eingebaut. Die Fotos sind verwaschen, unscharf und als Highlight obendrauf hat die Linse einen leichten Fisheye-Effekt, was insbesondere fotografierte Leute treffend enstellt, Bäume krümmt und Gebäude einfallen läßt. Wirklich ein voller Griff ins Klo, kann ich nur vor warnen: Bitte kein N706i kaufen!

Zu erreichen in das Fotoalbum hier, allerdings ist ein Username / Passwort nötig.
Der Username: Der Vorname der hzB, kleingeschrieben.
Passwort: Die Stadt, in der ich früher studiert habe, kleingeschrieben.

Wer die Hürde trotzdem nicht schafft, darf auch gerne per e-Mail nachfragen…

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Japanische Handys sind überbewertet

Juli 15, 2008

Als Aufhänger nehme ich mal den Artikel Zu schnell für den Erfolg.

Die Essenz dieses Artikels: Japanische Handys sind derart modern, daß sie quasi unbrauchbar für den europäischen Markt sind. Für den europäischen Markt müssten japanische Hersteller komplett neue Produktlinien herausbringen, die mit Europas veralteter Technik funktionieren.

Tabibito schreibt in seinem Blog zudem zur Einführung des iPhones in Japan: „viele Handys können bereits das, was das iPhone kann – manchmal besser und manchmal schon seit Jahren.“

Und dem letzten Teil des Satzes muss ich heftigst widersprechen.

Japanische Handys haben viele Funktionen, aber die Bedienung ist grauenhaft. Verschachtelte Menüs und 9er Tastaturen sind an der Tagesordnung. Damit lassen sich noch so gerade i-mode Seiten darstellen (iMode ist hier wirklich eine große Sache) – damit aber im „echten“ Internet zu surfen wird zum totalen Krampf. Selbst eine e-mail/SMS zu schreiben ist unglaublich kompliziert – das ist ja schon mit 26 Buchstaben hakelig, die japanische Lautschrift allein kennt aber 46 Zeichen, von den mehreren tausend Symbolen (Kanji) fange ich erst gar nicht an. Als ich mir von der hzB in Deutschland zeigen ließ, wie man auf einem japanischen Handy schreibt dachte ich damals zuerst „Das kann nicht ihr Ernst sein. Das ist Wahnsinn! Für ein Wort so viele Klicks!“. z.B. ein Wort im selbstverständlich installierten Wörterbuch nachzuschlagen dauert geschätzt 10mal so lange, wie die Dauer des Nachschlagens im handlichen Pocket-Langenscheidt (ganz Oldschool: Papier!), der sich als treuer Begleiter erwiesen hat.

Aus europäischer Sicht nerven dann noch so Sachen wie das Fehlen von Bluetooth, Sim-Locks trotz Vertrags (Gerät ohne neuen Vertrag wechseln nur mit viel Kosten und Aufwand), Fehlen von echter MIDP Unterstützung usw.

In Europa/USA experimentiert man im Moment mit neuen Eingabeformen – z.B. qwerty-Keyboards oder Touchscreens. Smartphones setzen sich hier aber sehr sehr langsam durch. Mein Provider z.B., NTT Docomo, hat gerade mal zwei Geräte im Angebot – ein Windows-Mobile 6-Gerät mit herkömmlicher 9er Tastatur und den HTC Touch.

Mein Handy (N706i) hat ein pervers großes Display (3 Zoll!), sieht unheimlich elegant aus, aber ist eben mehr schein als sein… Für viele Japaner ist beim Handy glaube ich Form wichtiger als Funktion, insbesondere für Frauen ist es wohl mehr Modeobjekt als technisches Gerät. Obwohl letzteres wahrscheinlich überall auf der Welt so ist.
Für mich ist das N706i letztlich kein großer Schritt nach vorn gegenüber meinem alten Nokia 6230i – eher sogar ein Schritt zurück wegen fehlender Bluetooth-Unterstützung.

[edit] beim Schreiben dieses Artikels und Besuchen der Docomo-Homepage fand ich dann heraus, daß Docomo ab August ein Blackberry verkauft. Ich könnte vor Ärger in die Luft gehen, habe ich doch vor gerade mal einer Woche mein Handy gekauft.[/edit]

Segata Sanshiro

Juli 11, 2008

Kurz vor meiner Abreise diskutierte ich mit dem geschätzten Freund M. auf Geocachingtour noch einige Details. M., bekennender Fan von Cuck Norris, erzählte dabei noch einige Chuck-Norris-Witze, die ich noch nicht kannte (Chuck Norris schläft nachts mit Licht, aber nicht weil er Angst vor der Dunkelheit hat, sondern die Dunkelheit vor Chuck Norris).

Anyway, ich konnte M. nicht anders als darauf hinweisen, dass Chuck Norris zwar ne coole Sau ist, aber absolut abstinkt gegenüber Segata Sanshiro.

Bevor es zu den Videos geht, eine kurze Erklärung: Segata Sanshiro ist ein Wortspiel: Es klingt, wenn man es wie die Japaner schnell ausspricht etwa wie „Sega Saturn Shiro!“ – und das heißt übersetzt in starkem Imperativ: Spiel!!! Sega Saturn.

Die Segata Sanshiro Werbespots liefen demnach damals als Kampagne um die Sega Saturn Spielekonsole. Eine Konsole für die, so wie ich in Erfahrung bringen konnte, äußerst unschön und kompliziert programmiert werden musste – um es mal vorsichtig zu sagen. Zudem war es eine der letzten 2D-Konsolen, die 3D-Vertreter á la Playstation 1 standen schon in den Startlöchern. Keine gute Marktposition für Sega – die Saturn war daher auch in den USA und in Europa kaum ein Erfolg. Die Werbespotserie um Segata Sanshiro machte die Konsole aber in Japan sehr bekannt und hat somit mittelbar Sega vorm Bankrott bewahrt (das Dreamcast-Fiasko und der darauffolgende Niedergang kam später) und die Saturn davon, ein Totalflop zu sein.

Die Masche der Werbespots ist im Prinzip, daß Segata Sanshiro „unartige“ Kinder bestraft: Also unartig, weil sie so verrückte Dinge machen wie Baseball spielen oder in die Disco zu gehen, anstatt, wie es sich für brave, ordentliche Jugendliche gehört, hinter die Spielekonsole zu setzen und zu zocken. So müssen japanische Kids, die nicht genug zocken, in ständiger Angst leben.

Allein, daß es so eine Idee für einen Werbespot tatsächlich auf die Bildschirme geschafft hat – und nicht vorher durch Zensurinstanzen oder später durch besorgte Eltern gecancelt wurde sagt imho viel aus über die Spielekultur in Japan. Lange Rede, kurzer Sinn, seht selbst meine zwei Favoriten:

Japanisch lernen

Juli 7, 2008

Hier gibt es kostenlose Angebote Japanisch zu lernen. Zweimal pro Woche jeweils Anfänger, Mittelstufe und Fortgeschrittene.

Leider lehrt die Lehrerin Japanisch so, wie früher mein Lateinlehrer. Das heißt: Als tote, nicht-gesprochene Sprache. In den gesamten 1,5h Unterricht habe ich selbst kein Wort gesagt.

Die Lehrerin hat dagegen ununterbrochen geredet. Und immer wenn mal ein Grammatikpunkt unklar war, hat sie den nicht übergangen sondern erklärt. So kam es, daß man ständig völlig wahllos irgendwelche Grammatikregeln kurz angerissen hat – wenn ich nicht durch den Unterricht in Deutschland schon vorher gewusst hätte, worum es geht, hätte ich niemals verstanden, was die Dame uns eigentlich sagen wollte.

Man merkt ja erst immer, wie toll etwas war, wenn etwas vorbei ist. Aber ich vermissen den Unterricht von YY-sensei und dann später von KK-sensei total. Die hatten sich damals auf der einen Seite einfach ziemlich für das Unterrichten begeistert, auf der anderen Seite aber auch „peinliche“ Situationen durchaus mal forciert. Damit meine ich: Jemanden explizit bzw. reihum drannehmen. Und wenn derjenige die Übung nicht konnte, dann wurde halt gewartet, bis da was kam.
Sicherlich ist es unangenehm eine solche Streßsituation zu erzeugen – vor allen Dingen wenn man sich am Anfang nicht so gut kennt. Aber letztendlich lernt man glaube ich nur so, eine Sprache sicher zu sprechen.

Wenn in japanischen Schulen Englisch auf diese Weise unterrichtet wird, verstehe ich warum viele Japaner auch nach 7+ Jahren Englischunterricht, nicht synchronisierten Filmen in Fernsehen und Kino und der Nähe zu den USA trotzdem oft kaum ein Wort herausbringen.

Ich hoffe meine Japanisch geht nicht ähnliche Wege…

Gefährlich

Juli 3, 2008

gerade per morgendlicher Rundmail bekommen:

This is General Affairs Section.

We would like to inform you that we obtained information on a bear.

July 1 about 10:00 p.m.

A bear appeared around N. Area (at the bottom of … Science Park).

General Affairs Section